Bei all der Digitalisierung unseres Business benötigen wir trotzdem Werbe- und Informationsmaterial zum Angreifen. Etwas, was man mitnimmt und woran man sich dann daheim wieder erinnert. Das klassische Werbemittel ist die Visitenkarte als persönlichste Form des Marketings.

Die Visitenkarte ist immer noch ein zentraler Teil der direkten Kundenansprache. Umso wichtiger dabei ist es, dafür auch die passenden Visitenkarten bereit zu halten. Man muss nur einmal einen Blick auf die unterschiedlichsten Papierarten, Formate und Layouts der Online-Anbieter von Visitenkarten werfen, um zu wissen, wieviele Optionen dieses Thema fürs Marketing bietet.

Die Visitenkarte ist Content

Content Marketing beschränkt sich nicht nur aufs Online-Business. Vielmehr gilt alles als Content, was das Unternehmen an Informationen auf unterschiedlichsten Medien den Kunden bereit stellt. Genau genommen sind auch das Aussehen des Firmengebäudes, die Firmenfarben, die Hausschrift, der Flyer, die Webseite, die Bekleidung der Mitarbeiter Content.

Also betrachten wir im Content Marketing auch die Visitenkarte als Teil des Content Marketings, die wiederum in der Content Strategie verankert wird. Soll heißen, wir vereinbaren – eine Strategie ist eine Vereinbarung zu einem bestimmten Verhalten –, wo Visitenkarten zum Einsatz kommen und mit welchem Zweck und Ziel sie dies tun. An dieser Stelle kommen schon die Menschen ins Spiel, die mit diesen Visitenkarten werben sollen. Zentrale Frage dabei: Welche Position nehmen diese Menschen im Unternehmen ein und welche Aufgabe übernehmen sie gegenüber dem (potenziellen) Kunden.

Visitenkarte für die Customer Journey Touchpoints

Und schon wieder bin ich bei der Zielgruppe und der Customer Journey angelangt. Denn die dort definierten Touchpoints des potenziellen Kunden zeigen, wo Visitenkarten zum Einsatz gelangen. Zudem vereinbart man im Rahmen der Zielgruppen- und Persona-Definition auch taktische Ziele mit einer solchen. Diese taktischen Ziele können beispielsweise lauten:

  • Kunden-Ansprache auf Messen (Kaltkontakt)
  • Die Firma bei Fachveranstaltungen im Rahmen eines Vortrages vorstellen (Expertenstatus darlegen)
  • In einem Business Netzwerk aktiv werden (Sichtbarkeit analog erhöhen)
  • Fachgruppen-Veranstaltungen besuchen (Awareness schaffen)

Solch taktische Ziele verlangen auch nach unterschiedlichen Informationsarten, nach unterschiedlichen Content-Arten. Einmal ist es ein Messestand mit dem dazu gehörenden Info-Material, dann wieder ein Vortrag. Und es kommen dabei auch Visitenkarten zum Einsatz.

Je nach Ziel-Persona die passende Visitenkarte

Und genau hier setzt jetzt der strategische Einsatz der Visitenkarte an. Wir stellen uns ja die Frage, wer besucht die Messe? Ist es der B2C- oder doch der B2B-Kunde, oder sind es beide? Im Idealfall werden nämlich diese Kundentypen als Persona auf der Customer Journey abgebildet, und so wissen wir auch, welche Informationen diese Ansprechpartner auf einer solchen Messe, einem Event, einer Veranstaltung suchen.

Visitenkarten lassen sich also zweckgebunden einsetzen. Spricht man den Endkunden auf einer Messe damit an, dann darf die Visitenkarte durchaus auch ein für diesen Interessenten zentrales Produkt bewerben. Halte ich als Experte einen Vortrag auf einem Fachevent, dann kann ich annehmen, dort Entscheidungsträger vorzufinden. Also spricht nichts dagegen, auch für diese Ansprechpartner eine eigene Visitenkarte bereit zu halten.

Je personalisierter die Kundenansprache, umso authentischer kommt man drüber und der Kunde fühlt sich wertgeschätzt.

Mag. Angelika Wohofsky, MSc

Ich selbst verwende unterschiedliche Visitenkarten, passend zu den Personas meiner Kundengruppen. Da gibt es also eine Visitenkarte für die Startups und jungen Unternehmen. Dann gibt es eine Karte für Netzwerkveranstaltungen und eine hochwertigere Variante für potenzielle Kunden des Interim-Managements im Marketing, die bei Fachtagungen und internationalen Business-Events zur Anwendung kommen.

Häufige Unsitten der Visitenkarte

Eine häufige Unsitte bei der Gestaltung von Visitenkarten ist das Fehlen eines Namens und Ansprechpartners. Man stelle sich das einmal als potenzieller Kunde vor, mit einem Vertreter eines Unternehmens bei einem Netzwerkevent zu sprechen. Und der drückt dir danach eine Visitenkarte in die Hand, aus der ausschließlich der Name der Firma, ihre Leistung und eine allgemein gehaltene E-Mail Adresse wie info@firmenname hervorgeht. Mit wem man gesprochen hat, steht nicht drauf.

Hand aufs Herz. Fühlt man sich durch so eine Visitenkarte nicht auf die eine oder andere Weise verarscht? Bekommt man mit einer solchen nicht auch das Gefühl vermittelt, dass sich die Mitarbeiter in der Firma bedeckt halten, um nicht „gefunden“ zu werden. Weil man anscheinend „unverbindlich“ bleiben möchte? Und was sagt so ein Verhalten über die Unternehmenskultur aus?

Jetzt wird man sich natürlich fragen, ob denn der Kunde dazu überhaupt fähig ist, solche Fragen zu stellen. Die Antwort lautet: Ja, er ist es. Nicht umsonst fühlen sich 54 % der Millennial-Kunden im D-A-CH (Deutschland, Österreich und Schweiz) von Unternehmen nicht ernst genommen. Und solche unverbindlichen Visitenkarten zeigen: „Wir nehmen dich nicht ernst, weil wir dir nicht einmal sagen, mit wem du gesprochen hast!“

Die persönliche Ansprache ist heute das Gold der Werbung!

MAg. Angelika Wohofsky, MSc

Befremdlich, sich bedeckt zu halten

Umso befremdlicher wirken solche Visitenkarten dann, wenn Sie bei Netzwerkveranstaltungen weitergereicht werden. Man stellt sich dort zwar mit Namen vor, aber wir alle wissen, ums Namengedächtnis ist es bei vielen Menschen schlecht bestellt. Und kaum jemand notiert sich den Namen des Gesprächspartners auf die Rückseite der Visitenkarten und fragt im Gespräch gleich mal nach, wenn er so eine anonyme Karte überreicht bekommt.

Abgesehen davon vermitteln Firmen mit solchen Visitenkarten, dass sie es mit dem direkten Gesprächspartner nicht so ernst meinen. Dass ihnen der Verkauf ihrer Angebote wichtiger ist, als der Mensch, der Kunde, der Partner mit dem man sein Geld verdient.

Ein wenig Wirtschaftspsychologie ist nötig

Zuviel Psychologie? Keinesfalls. Studien haben gezeigt, dass die heutige Kundengeneration sehr viel Wert auf persönliche Kontakte legt. Dass sie den direkten Ansprechpartner eines Unternehmens sucht, genauso, wie sie auch persönliche Bewertungen des Unternehmens bei der Kaufentscheidung berücksichtigt.

Übrigens, denken Sie dran, dass selbst im Telefonmarketing der Name des Ansprechpartners am Telefon deutlich genannt werden muss, um Vertrauen zu erwecken. Und ärgern wir uns denn auch nicht alle, wenn wir zwar mit jemanden gesprochen haben, aber nicht wissen, wer das war?

Im Business geht es immer um gegenseitiges Vertrauen. Schließlich machen wir ja Business von Mensch zu Mensch. Wir nehmen den Kunden mit in unsere Welt, und der vertraut uns, dass wir ihn nie loslassen.

Wer als Chef nicht vertrauen kann, wird auch misstrauische Kunden anziehen und umgekehrt. Und er wird dementsprechend über die Visitenkarte und den gesamten Content des Unternehmens dieses Misstrauen nach außen hin vermitteln.

Wenn die Haptik nicht zur Branche passt

Jeder gute Grafikdesigner wird dir etwas von Haptik erzählen. Das Ding, das man spürt. Die Oberflächenbeschaffenheit eines Folders oder einer Visitenkarte ist damit gemeint.

Auch die Haptik ist Teil der Content Strategie, drückt sie doch aus, wie sich das Unternehmen „angreift“. Ist die Oberfläche der Visitenkarte glatt, die Karte selbst aus Plastik, oder aus Leinenpapier oder hochwertigem Karton gefertigt? Stoßen sich die Kanten schnell ab, lassen einen billigen Farbdruck an ausgefransten Ecken erkennen? Lässt die Visitenkarte eine Beschriftung zu, um den Anlass ihrer Überreichung auf dieser zu notieren? Letzteres empfehle ich übrigens, es aus Datenschutzgründen zu tun.

Visitenkarten spiegeln also die Branche und lassen auf das Verhalten der Menschen im Unternehmen schließen. Ganz besonders aufs Verhalten der Firmenleitung selbst.

Gelungenes Content Marketing baut eine Welt rund ums Unternehmen auf. Eine Welt aus Haptik, Optik, ehrlich gemeinten Werten und Verhalten. So perfekt, dass das Unternehmen wie aus einem Guss erscheint.

Mag. Angelika Wohofsky, MSc

Was halten Sie also von einem Tischlermeister, der ihnen eine Visitenkarte aus transparentem Plastik überreicht? Was halten Sie von einem Geschäftsführer, dessen Businesscard offensichtlich auf 80 Gramm-Standard-Papier gedruckt wurde und sich die Kanten aufzulösen beginnen? Was halten Sie von einer Hochglanz-Visitenkarte, die eine rückseitige Beschriftung nicht zulässt? Und welche Schlüsse lassen diese Merkmale auf den Inhaber der Visitenkarte zu?

Auch auf psychologischer Ebene findet man „Haptik“

Ich habe übrigens viele Jahre mit PR-Beratung verbracht. Dabei vertrat ich einen ganzheitlichen Ansatz, wobei teils ungewöhnliche Analyse- und Gestaltungesmethoden am Point of Sale zur Anwendung gelangten. So entwickelte ich einen Riecher dafür, die Unstimmigkeiten im Firmenauftritt rasch zu erkennen. Das, was hinter der Fassade steckt, kann nämlich die beste Selbstdarstellung nicht vertuschen, welche sich oft schon in den Firmenfarben spiegelt.

Gemäß dem Motto, man könne nicht nicht kommunizieren, ist jedes Teil unserer Firmenkommunikation auch ein Teil von Selbstinszenierung – siehe dazu auch das Werte- und Entwicklungsquadrat von Schulz von Thun. Und machen Sie sich mit den Limbic Types und dem Neuromarketing vertraut.

Als markantes Beispiel für (unbewusste) Inszenierungen mit hohem Realitätsanspruch führe ich gerne das folgende an: Pflegt ein Unternehmen einen rot-schwarzen Auftritt im Logo und der gesamten Gebäudegestaltung, bei Weiß als Kontrastfarbe, dann lässt dies auf einen Macht betonten, dominanten Charakter mit abenteuerlichen Zügen (chaotisch?) ihrer Firmeninhaber schließen. Dann darf man auch mit möglichem Stolz, gepaart mit Durchsetzungsbestrebungen (bei mehr Schwarz) und rebellischer Kampfeslust (bei mehr Rot) rechnen.

Beobachtet man dann noch die Mitarbeiter, die sich selbst im Besprechungsraum im Flüsterton unterhalten, dann herrscht höchstwahrscheinlich ein Klima von Bespitzelung und Kontrolle in diesem Betrieb. Höchstwahrscheinlich trifft man dann bei der Geschäftsführung auch kaum auf Eigenschaften wie Disziplin, Präzision und Vertrauen. In diesem Fall wären die Firmenfarben nämlich Blau und Grün und nicht Rot und Schwarz.

Eine ganzheitliche POS-Analyse verschafft Ihnen den Blick auf Optimierungspotenzial bei Kundenbeziehungen.

Immer diese gmail-hotmail-yahoo-Adressen

Ein Detail bei der Visitenkarte möchte ich noch ansprechen. Ich erhalte immer wieder Geschäftskarten, deren Firmeninhaber eine kostenfreie E-Mail-Adresse von Anbietern wie Gmail, Hotmail oder Yahoo haben. Obwohl das Unternehmen über eine Webseite mit eigener Domain verfügt.

Fragt man nach dem Grund der gratis E-Mail-Adresse, dann wird mir erklärt, die Einrichtung der E-Mail würde Geld kosten oder eine solche sei durch die Webagentur nicht erfolgt. Also ehrlich, solche Aussagen lassen mich sprachlos zurück. Zeigen doch geschäftlich genützte gratis Email-Adressen nur, dass der Firmeninhaber Grundprinzipien der digitalen Kommunikation einfach nicht verstanden hat. Und dass ihn digitale Kommunikation zum Kunden reichlich am Allerwertesten vorbeigeht. Jedenfalls kommt das bei mir so an.

Da bleiben dann Fragen zurück wie: Wie sicher sind Sie in der Verwendung des PCs bei der Abwicklung Ihres Geschäftsmodells? Wie kommunizieren Sie die Rechnungen an Ihre Kunden; versenden Sie die auch über die Gmail-Adresse? Wie beantworten Sie Kundenanfragen, rufen Sie diese wirklich nur an und schreiben sie diesen auch eine E-Mail? Und weshalb haben Sie eine Webseite, und wie oft werden deren Inhalte aktualisiert? Haben Sie sich schon darüber Gedanken gemacht, wieviel Zeit und Geld Sie mit einer wenig professionellen digitalen Kommunikation beim Fenster hinauswerfen? Weil Ihre Kunden Sie mit Ihrer Gmail-Adresse nicht ernst nehmen.

Fazit Visitenkarte

All diesen Überlegungen zur Visitenkarte eilt eine oftmals unbewusste Einstellung zum Kunden und zum eigenen Business voraus. Wer undurchsichtig kommuniziert, wirkt distanziert und wird vermutlich auch Probleme beim wertschätzenden Umgang mit Kunden haben. Wer bei einer Domain bezogenen E-Mail-Adresse spart, zeigt nur, dass er die Mechanismen der digitalen Welt noch nicht verstanden hat und sich dabei vielleicht persönlich schwer tut – ein Thema, das bei Handwerksbetrieben schlagend wird, die sich hart im Finden von guten Mitarbeitern tun. Weil die jungen Mitarbeiter digital leben und immer öfter ein digitalisiertes Unternehmen suchen.

Auch wenn auf Übereinstimmung von Branche und Haptik nicht geachtet wird, vermittelt das ein befremdliches Bild über die Unternehmenskultur und dem Verständnisgrad für den Kunden und seine Wünsche. So könnte durchaus hinter einer solchen Haltung stehen, dass man nur verkaufen will, die Kundenwünsche aber unwillig akzeptiert.

So betrachtet gehört die Visitenkarte in die Content Strategie eines Unternehmens. Und man darf ruhig mehrere Versionen der Firmenvisitenkarte verwenden, weil man mit einer solchen auch unterschiedliche Personas anspricht.

Die Visitenkarte drückt ein Commitment zwischen Menschen aus und baut Vertrauen auf. Business ist eine Vereinbarung, ein Commitment auf Zeit mit Vertrauen als Währung.

Mag. Angelika Wohofsky, MSc
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