Die Visitenkarte als Teil der Content Strategie

Trotz der zunehmenden Digitalisierung von Unternehmen benötigen wir Werbe- und Informationsmaterial zum Angreifen. Etwas, was man mitnimmt und woran man sich daheim wieder erinnert. Ein solches klassisches Werbemittel ist die Visitenkarte als persönlichste Form des Marketings. Wie du Visitenkarten in die Content Strategie integrierst, erfährst du in diesem Beitrag.

Die Visitenkarte ist Content und Teil der Strategie

Content Marketing beschränkt sich nicht nur aufs Online-Business. Vielmehr verstehen Marketingmenschen alles unter Content, was das Unternehmen an Informationen seinen Kunden bereitstellt. Streng genommen zählt man zu Content auch das Aussehen des Firmengebäudes, die Firmenfarben, die Hausschrift, Flyer, die Webseite, die Bekleidung der Mitarbeiter, die Autobeschriftung und – die Visitenkarte. Sprich: alle Werbemittel sind Content.

Die Visitenkarte gehört also zum Content und repräsentiert einen zentralen Teil der direkten Kundenansprache. Sie sollte nach konventionellen Kriterien (Erwartungshaltung des unbedarften Users) gestaltet sein. Und sie soll das Image des Unternehmens transportieren – in Zeiten der Digitalisierung auch digitale Kompetenz vermitteln. Auf die Haptik, auf konventionelles Design kommt es bei Visitenkarten an, und auch darauf, wie geschickt du deine digitale Präsenz mit ihr kommunizierst.

Werbemittel für das Content Marketing

Also betrachten wir im Content Marketing auch die Visitenkarte als Teil aller werblichen Maßnahmen. Deswegen muss diese in der Content Strategie verankert sein. Schließlich arbeitet das Content Marketing an einem einzigen großen Ziel: Dem Unternehmen jenes Aussehen verleihen, sodass es wie aus einem Guß erscheint, wie eine einzige große Marke, eine Welt aus Kunden, Menschen und ihren Leistungen und gemeinsam gelebten Werten.

Wir vereinbaren also innerhalb der Content Strategie, wo wir die Visitenkarten und zu welchem Zweck und Ziel wir sie verteilen. Wir müssen uns also, bevor wir Visitenkarten drucken, genau über unsere Kunden bescheid wissen. Erst dann können wir sagen, in welchen Situationen und an wen die Visitenkarte verteilt wird.

Daraus ergibt sich dann die Zahl der zu druckenden Exemplare. Hohe Streuverluste werden mit dieser Vorgehensweise vermieden.

Ich selbst ließ in meinem Leben schon eine Hundertschaft an Visitenkarten drucken. 80 Prozent von ihnen landeten dabei im Altpapier. Erst als ich damit begann, für meine Zielgruppe passende Visitenkarten zu planen, setze ich diese effizient und kostensparend ein. Ich nütze die Visitenkarte nur an ausgewählten Touchpoints wie beispielsweise bei einem Präsenztraining oder bei Veranstaltungen, auf denen ich meine Leistung als Referentin vorstelle.

Angelika Wohofsky

Die Visitenkarte für die Customer Journey Touchpoints

Und schon wieder bin ich bei der Zielgruppe und der Customer Journey angelangt. Denn die dort definierten Touchpoints des potenziellen Kunden zeigen, wo Visitenkarten zum Einsatz gelangen. Zudem vereinbart man im Rahmen der Zielgruppen- und Persona-Definition auch taktische Ziele. Diese taktischen Ziele können beispielsweise lauten:

  • Kunden-Ansprache auf Messen (Kaltkontakt)
  • Die Firma bei Fachveranstaltungen im Rahmen eines Vortrages vorstellen (Expertenstatus darlegen)
  • In einem Business Netzwerk aktiv werden (Sichtbarkeit analog erhöhen)
  • Fachgruppen-Veranstaltungen als Teilnehmer:in besuchen und dort fleißig netzwerken (Awareness steigern)

Taktische Ziele verlangen aber nach unterschiedlichen Informationsarten, nach unterschiedlichen Content-Arten. Einmal ist es der Messestand mit dem dazu gehörenden Info-Material, dann wieder ein Vortrag, wo man Visitenkarten verteilt. In einem wieder anderen Fall nimmt man an Netzwerktreffen teil. Auch dort kommt die Visitenkarte als erstes Werbemittel zum Einsatz.

Die Visitenkarte kommuniziert deine Spezialisierung

Visitenkarten wirst du immer zweckgebunden einsetzen.

Damit du nicht mit einem ganzen Bündel unterschiedlicher Visitenkarten herumläufst, fokussierst du dein Unternehmen auf ein spezielles Arbeitsgebiet. Zu dieser Nische findest du im Rahmen eines Strategieprozesses. Denn sobald du deine Kräfte und Mittel bündelst, genaue Kenntnis über die Wünsche und Probleme deiner Kunden besitzt, kannst du auch deine Spezialisierung erkennen. Außerdem wirst du realistische Prognosen aufstellen, ob deine Zielgruppe auch bereit ist, für deine Leistung zu bezahlen.

Bitte denke daran, dass der vielzitierte Bauchladen die falsche Strategie darstellt. Man kann nicht für alle alles gleich gut tun. Eine richtige Spezialisierung ist das A und O langfristig erfolgreicher und resilienter Unternehmen.

Bist du dir deiner Spezialisierung bewusst, kannst du diese auch in einem Claim, in einem Slogan treffend formulieren. Vielleicht machst du aus diesem sogar einen Marken-Hashtag für Social Media. Auf jeden Fall solltest du diesen Slogan auch auf deiner Visitenkarte unterbringen. Er ist der Ankertext für deine Kunden, die damit sofort wissen, was du für sie tust.

Je persönlicher und personalisierter du deine Kunden ansprichst, umso authentischer wirst du wahrgenommen. Umso mehr bekommt dein Kunde das Gefühl, dass du ihn in seiner Gesamtheit ernst nimmst. Das gilt für die analoge Welt und für die digitale Welt.

Angelika Wohofsky
Achtung, mit persönlicher Kundenansprache meine ich nicht die sprichwörtliche "der Kunde ist König"-Mentalität. Niemand muss sich irrsinnigen Kundenwünschen beugen und sich für den Kunden verbiegen. Es geht einzig und allein darum, zu erkennen, ob man für den Kunden auch etwas tun kann, das ihm hilft, sein Problem zu lösen. Wenn der Kunde hingegen anschafft und meint, den Lösungsweg vorgeben zu können, dann braucht er deine Leistung nicht. Im Gegenteil, du bist authentischer und wirst langfristig wertgeschätzt, wenn du auf eklatante Fehler hinweist und einen Auftrag vielleicht sogar ablehnst oder aus diesem aussteigst. Vor allem ältere Unternehmer:innen neigen dazu, die "Kunde ist König"-Mentalität als notwenige devote Haltung zu interpretieren.

Abgesehen davon wirst du, wenn du deine Spezialisierung und deine Kunden ganz genau kennst, schon zu Beginn eines Auftrags erkennen, ob der Kunde wirklich zu dir passt. Du willst ja deine Arbeit auf Augenhöhe erledigen können und nicht auf Zuruf und im Modus von "Command and Control".

Digitale Erweiterung anbieten

Ich selbst verwende nur eine Visitenkarte, keine alternativen Versionen, zu der manche Marketingmenschen in der Vergangenheit geraten haben. Denn ich spreche ja auch nur eine spitze Zielgruppe an. Die anderen, die nicht meine Zielgruppe sind, brauchen keine Werbemittel von mir. Das spart Kosten, aber auch Zeit und Nerven.

Um die Interessenten in die digitale Welt zu leiten, biete ich meinen digital affinen Kunden mittels QR-Code auf der Visitenkarte den Besuch meiner Website an. Und, die Visitenkarte kann problemlos gescannt werden. Das heißt, alle Kontaktdaten sind auf einer Seite vorhanden. Damit rücken Logo und Claim auf die Rückseite, auf der dann noch ausreichend Platz für eine zusätzliche Beschriftung per Hand vorhanden ist.

Gerade im B2B-Business sollte man auf scannbare Visitenkarten Wert legen. Das Scannen der Karten erfolgt mittels einer App am Smartphone. Die gescannte Visitenkarte wird automatisch ins CRM (Customer Relationship Management)-System eingespielt. Denn immer öfter bieten auch Collaboration Tools wie Evernote eine solche Scanfunktion an. Und alles, was spiegelt und glänzt, lässt sich schwer scannen.

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Häufige Unsitten

Eine häufige Unsitte bei der Gestaltung von Visitenkarten ist das Fehlen eines Namens und Ansprechpartners. Man stelle sich das einmal als potenzieller Kunde vor, mit einem Vertreter eines Unternehmens bei einem Netzwerkevent zu sprechen. Und der drückt dir danach eine Visitenkarte in die Hand, aus der ausschließlich der Name der Firma, ihre Leistung und eine allgemein gehaltene E-Mail Adresse wie info@firmenname hervorgeht. Mit wem man gesprochen hat, steht nicht drauf.

Hand aufs Herz. Fühlt man sich durch so eine Visitenkarte nicht auf die eine oder andere Weise veräppelt? Bekommt man mit einer solchen nicht auch das Gefühl vermittelt, dass sich die Mitarbeiter in der Firma bedeckt halten, um nicht „gefunden“ zu werden? Weil man anscheinend „unverbindlich“ bleiben möchte? Und was sagt so ein Verhalten über die Unternehmenskultur im Betrieb selbst aus?

Jetzt wird man sich natürlich fragen, ob denn der Kunde dazu überhaupt fähig ist, solche Fragen zu stellen. Die Antwort lautet: Ja, er ist es. Nicht umsonst fühlen sich 54 % der Millennial-Kunden im D-A-CH (Deutschland, Österreich und Schweiz) von Unternehmen nicht ernst genommen. Und solche unverbindlichen Visitenkarten zeigen: „Wir nehmen dich nicht ernst, weil wir dir nicht einmal sagen, mit wem du gesprochen hast!“ So baut man KEIN VERTRAUEN auf!

Bitte mehr Empathie!

Zuviel Psychologie? Keinesfalls. Studien haben gezeigt, dass die heutige Kundengeneration sehr viel Wert auf persönliche Kontakte legt. Dass sie den direkten Ansprechpartner eines Unternehmens sucht, genauso, wie sie auch persönliche Bewertungen des Unternehmens bei der Kaufentscheidung berücksichtigt.

Im Business geht es immer um gegenseitiges Vertrauen. Schließlich machen wir ja Business von Mensch zu Mensch. Wir nehmen den Kunden mit in unsere Welt, und der vertraut uns, dass wir ihn gut führen.

Wer als Chef nicht vertrauen kann, wird auch misstrauische Kunden anziehen und umgekehrt. Und er wird dementsprechend über die Visitenkarte und den gesamten Content des Unternehmens dieses Misstrauen vermitteln: keine Ansprechpartner, keine Bilder von den Mitarbeitern, Visitenkarten werden nur für Mitarbeiter gedruckt, wenn diese länger als ein Jahr im Unternehmen sind; was die Agentur für einen tut, will man fachlich inhaltlich kontrollieren, auch wenn man nichts von der Materie versteht, usw.

Wenn die Haptik nicht zur Branche passt

Jeder gute Grafikdesigner wird dir etwas von Haptik erzählen. Denn Oberflächen greifen sich unterschiedlich an und lösen Gefühle aus.

Auch die Haptik ist Teil der Content Strategie, und sagt viel darüber aus, wie sich das Unternehmen „angreift“. Ist die Oberfläche der Visitenkarte glatt, die Karte selbst aus Plastik, oder aus Leinenpapier oder hochwertigem Karton gefertigt? Stoßen sich die Kanten schnell ab, lassen einen billigen Farbdruck erkennen? Lässt die Visitenkarte eine Beschriftung zu, um den Anlass ihrer Überreichung auf dieser zu notieren, oder ist das gänzlich unmöglich, weil zu klein oder laminiert?

Eine nachträgliche Beschriftungsmöglichkeit empfehle ich übrigens, schon allein aus Datenschutzgründen.

Visitenkarten spiegeln also die Branche und lassen auf das Verhalten der Menschen im Unternehmen schließen. Ganz besonders aufs Verhalten der Firmenleitung selbst.

Gelungenes Content Marketing baut eine eigene Welt rund ums Unternehmen auf. Eine Welt aus Haptik, Optik, ehrlich gelebten Werten, konkreten und für Kunden relevante Informationen und sowie ein wertschätzendes Verhalten. So perfekt, dass das Unternehmen wie aus einem Guss erscheint.

Angelika Wohofsky

Welchen Eindruck hinterlässt also einTischlermeister, der dir eine Visitenkarte aus transparentem Plastik überreicht? Was hältst du von einem Geschäftsführer, dessen Businesscard offensichtlich auf 80 Gramm-Standard-Papier gedruckt wurde und bei der sich die Kanten auflösen? Was hältst du von einer Hochglanz-Visitenkarte, die eine rückseitige Beschriftung nicht zulässt und nur marginal übers Unternehmen informiert? Und welche Schlüsse lassen diese Merkmale auf den Inhaber der Visitenkarte zu?

Also überlege dir ganz genau, welches Bild du in der Öffentlichkeit abliefern willst.

Immer diese gmail-hotmail-yahoo-Adressen

Ein Detail möchte ich noch ansprechen. Ich erhalte immer wieder Geschäftskarten, deren Firmeninhaber eine kostenfreie E-Mail-Adresse von Anbietern wie Gmail, Hotmail oder Yahoo zeigen. Obwohl das Unternehmen über eine Webseite mit eigener Domain verfügt, findet keine eigene Domain-Mail-Adresse auf die Visitenkarte.

Fragt man nach dem Grund der gratis E-Mail-Adresse, dann wird mir erklärt, die Einrichtung der E-Mail würde Geld kosten oder eine solche sei durch die Webagentur nicht erfolgt. Also ehrlich, solche Aussagen lassen mich sprachlos zurück. Ein schaler Beigeschmack von Unverbindlichkeit haftet solchen E-Mail-Adressen an.

Fazit Visitenkarte

Wer undurchsichtig kommuniziert, wirkt distanziert und wird vermutlich auch Probleme beim wertschätzenden Umgang mit Kunden haben. Wer bei einer Domain bezogenen E-Mail-Adresse spart, zeigt nur, dass er die Mechanismen der digitalen Welt nicht verstanden hat. Mit solchen Adressen wirkt man auch sehr veraltet auf Kunden. Weil die Jungen, egal ob Kunde oder Mitarbeiter, digital leben, ein digitalisiertes Unternehmen suchen.

So betrachtet gehört die Visitenkarte in die Content Strategie eines Unternehmens. Sie will gut geplant und durchdacht zum Einsatz kommen. Die Eckpunkte, die dabei erfüllt werden sollten, sind:

  • Domain-Email-Adresse, am besten mit Namen und keine Rollen-Email: name@domain und nicht info@domain (je größer das Unternehmen, umso wichtiger ist es, aus der Anonymität herauszutreten)
  • Spezialisierung muss als Claim auf die Visitenkarte rauf
  • crossmediale Einbindung der Website mittels QR-Code
  • eventuell mit einer Drei-Wort-Adresse die Firmenadresse ergänzen, wenn viel Kunden- und Lieferantenverkehr gegeben ist
  • keine ausgefallenen Formate verwenden, stattdessen konventionelles Layout erleichtert das Lesen und Erfassen der Visitenkarte
  • Rückseite der Visitenkarte soll beschriftbar sein
  • Die Visitenkarte muss man scannen können um die Daten in ein CRM-System einzuspielen (besonders wichtig fürs B2B-Business)
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2 Kommentare
  1. Antonia
    Antonia sagte:

    Vielen Dank, Frau Wohofsky, dass Sie die Haptik von Werbematerial ansprechen. Wenn man z. B. Flyer in einer Druckerei drucken möchte, ist man oft geneigt, das günstigste Produkt zu wählen. „Weniger ist mehr“ ist mein Motto. Lieber dickeres Papier und dieses zielgerichtet verteilen.

    Antworten
    • Angelika Wohofsky
      Angelika Wohofsky sagte:

      Vielen Dank für Ihren Kommentar. Ja, die Haptik wird oft unterschätzt. Trotz digitaler Medien, brauchen wir aber etwas Greifbares für Netzwerk-Veranstaltungen und um bei einem direkten Gespräch einen guten Eindruck zu hinterlassen. Danke für Ihren Hinweis auf „weniger ist mehr“. Ich sehe das genauso.

      Antworten

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