Vor einem guten halben Jahr kehrte ich ins Unternehmerdasein zurück. Während meiner 22-jährigen Berufstätigkeit war ich nur 4,5 Jahre als Angestellte aktiv. Die übrigen Jahre seit 1998 blieb ich selbständig. Heute zähle ich zu jenen Unternehmern, die neben Höhen auch ordentliche Tiefen erfolgreich meistern konnten. Auf diesen Erfahrungsschatz baut jetzt meine Unternehmensberatung auf. Gleichzeitig formte sich aber auch mein Charakter. Und so lege ich auf folgende Eigenschaften größten Wert bzw. meide Unternehmen, denen diese Eigenschaften fehlen.

Wenn das Leben den Charakter formt

Der aus Österreich stammende kanadische Winzer Anthony von Mandl erklärte mir in einem Interview 2009 auf die Frage, was für ihn Rückschläge und Hindernisse bedeuten: „Hindernisse formen den Charakter.“

Auch mein Charakter wurde in mehr als 20 Jahren Berufstätigkeit geformt. Ich habe mich zu einer stark analytischen und administrativen Persönlichkeit entwickelt, die heute viel stärker zum Ausdruck kommt, als dies zu Beginn meines Berufslebens, Ende der 1990er Jahre der Fall war. Manche meinen heute, ich sei bockig und stur. Dabei sehe ich an mir nur eine sehr ausgeprägte Hartnäckigkeit vorhanden, die mit viel Geduld und Ausdauer auch entfernt scheinende Ziele zu erreichen vermag.

Als administrativer Typ mag man aber auch Ordnung und Struktur, ein gutes Regelwerk und fundierte Arbeitsprozesse. Luftschlösser sind definitiv nichts für mich. Auch nicht die Überflieger-Mentalität so mancher Kreativer im Marketing. Leidet doch darunter dann das Controlling, das Monitoring und die Optimierung der Marketingmaßnahmen.

So gesehen bin ich auch beruflich am richtigen Platz. Denn Content Marketing hat administrativen Charakter. Es werden Daten verwaltet und Informationen strategisch verteilt. Als Unternehmensberater kommt mir zudem mein organisatorisches Talent, die mir angeborene Hilfsbereitschaft sowie das Vermögen, komplexe Sachverhalte analysieren und erklären zu können, sehr gelegen. Außerdem macht es großen Spaß, gemeinsam mit dem Kunden seine Ziele zu erreichen.

Und dann gibt es noch ein paar Themen, auf die ich besonders achte.

Worauf ein administrativer Unternehmensberater achtet

Ordnung als A und O

„Ordnung ist die Basis aller Dinge“ – Dieses Zitat wird dem schottischen Schriftsteller Edmund Burke zugeschrieben. Für mich trifft es den Nagel auf den Kopf. Denn Ordnung und Strukturen gehören zum Content Marketing wie das Amen zum Gebet. Also liebe ich Ordnung und Struktur. Das führt dazu, dass ich eine Clean Desk-Policy sehr schätze. Also räume ich auch einmal wöchentlich meinen eigenen Schreibtisch auf.

Liegt nämlich zuviel am Schreibtisch oder werden nicht benötigte Sachen einfach in Kartons am Boden abgestellt, dann stiftet das nur Verwirrung. Herrscht Chaos in der Ordnerstruktur der Firmenrechner, darf man sich nicht wundern, wenn die Mitarbeiter einen chaotischen Arbeitsstil pflegen. Meistens beginnt aber der Fisch beim Kopf zu stinken an, und so herrscht dann auch Chaos in der Chefetage.

Komme ich zu einem Kunden, dann achte ich selbstverständlich auch auf das Aussehen des Büros. Liegt dort alles herum, kreuz und quer im kreativen Chaos? Dann werde ich diesbezüglich eine Bemerkung machen und ihm zum Aufräumen raten, bevor wir überhaupt mit der Unternehmensberatung beginnen.

Im Chaos kann niemand klar denken, auch nicht das Genie. Wir alle wissen, dass Genies nur bedingt über Lebenspraxis verfügen und ihre Finanzen nur schwer im Griff haben.

Regeln und Prozesse

Geregelte Arbeitsprozesse und Strukturen geben Sicherheit. Wenn man eine Content Strategie ausarbeitet, dann schafft man solche Regeln und Strukturen. Anhand dieser lässt sich das Marketing erst effizient umsetzen.

Unternehmen, denen eine Marketingstrategie, eine Unternehmensstrategie und geregelte Arbeitsprozesse und Strukturen fehlen – glaubt man Studien, ist das bei jedem zweiten Mittelstandsbetrieb in Deutschland, Österreich und der Schweiz der Fall –, dann heißt’s auch hier im ersten Schritt einmal Ordnung zu schaffen.

Ein derart provoziertes Chaos kann viele Unternehmensprozesse unlösbar erscheinen lassen. Dabei steht ihrer Lösung nur der Müll im Weg, der sich aufgrund mangelnder Strukturen angehäuft hat.

Ein wesentlicher Teil meiner Beratungstätigkeit ist es, Strukturen zu bauen und diese zur Routine werden zu lassen.

Aufmerksamkeit und Wertschätzung

Jeder Mensch benötigt Aufmerksamkeit. Wer nicht wahrgenommen wird, der kündigt. Im ersten Schritt tut er’s innerlich, meist folgt nach einem halben Jahr dann auch die Kündigung nach außen.

Firmenleitungen, die ihren Mitarbeitern keine Aufmerksamkeit und Wertschätzung angedeihen lassen, dürfen sich nicht über eine hohe Mitarbeiterfluktuation wundern. Denn Kritik und Kontrolle hat rein gar nichts mit Aufmerksamkeit zu tun!

Aufmerksamkeit bedeutet den Menschen und seine Talente und Fähigkeiten zu sehen. Den Menschen hinter der Arbeit. Den Menschen als Kunde. Im Beratungsfall nehme ich diese Menschenorientierung genauestens unter die Lupe. Man sieht den Grad ihrer Ausprägung an der Art, wie die gesamte Firma mit ihren Kunden umgeht und über diese spricht. Und man findet Hinweise zur Wertschätzung und Aufmerksamkeit gegenüber den Mitarbeitern am Aussehen von Personalraum, Kaffeeküche, Mitarbeiter-Lounge und wie sich diese im Haus bewegen und verhalten.

Entwicklung und Selbstreflexion

Prosperierende Unternehmen sorgen dafür, dass Raum und Zeit für Planung und Reflexion gegeben ist. Und zwar für alle. Für Mitarbeiter und Chefs. Nur wer in regelmäßigen Abständen offen über Entwicklungspotenziale sprechen kann, wird sich auch selbst weiterentwickeln und helfen, das Unternehmen voran zu bringen.

Wird dieses Potenzial für Entwicklung und Selbstreflexion nicht erkannt, weil die Mitarbeiter unter Generalverdacht stehen, kann es niemals zu einer fürs Unternehmen wertvollen Beratungssituation kommen. Im Erstgespräch stellt sich meist schon heraus, ob die Firmenleitung zur Selbstreflexion und Selbstentwicklung fähig ist und dieser auch bei ihren Mitarbeitern Raum gibt.

Ziele und Pläne

Der absolute Horror für mich ist ein zielloses, planlos agierendes Unternehmen. Wenn dir die Geschäftsführung erklärt, Ziele würde man nie erreichen und man bräuchte keine Ziele, dafür aber viele Projekte. Solche Firmen lehne ich als Kunde entschieden ab. Weil der Wert von Zielen und Plänen mangels Selbstreflexionsvermögen einfach nicht erkannt werden will.

In solchen Betrieben wirkt eine unsichtbare Sperre, über die die Inhaber ums Verrecken nicht rübergehen wollen. Meist steuern diese Firmeninhaber ihren Betrieb auch nur aus rein egoistischen Motiven oder sehen das Unternehmerdasein als einziges großes Lebensproblem. Und was tun wir im Regelfall mit Problemen? Wir versuchen sie loszuwerden.

In solchen Betrieben fehlen dann auch die Hausaufgaben des Marketings (Customer Journey, Persona, Marketingstrategie angelegt an der Unternehmensstrategie) sowie ein genaues Controlling der Wirtschaftskennzahlen und eine allgemeine Erfolgskontrolle. Man trudelt durchs Geschäftsjahr, ist immer zu spät dran (jetzt noch schnell Inserat schalten, bitte!) und hetzt von einem Projekt ins nächste.

Ziele sind für mich die Ausgangsbasis jeglichen Handelns. Plant man dann das Handeln anhand der Ziele, dann gibt man der Umsetzung Struktur. Und dann kommt man auch voran.

Faulheit, Inkompetenz und Lügen

Wer es mit einer administrativen, regelorientierten Person mit Hands-on Mentalität zu tun hat, von dem wird auch eine klare Struktur und der Wille zur Veränderung verlangt.

Faulheit, die sich meist durch Aussagen wie „hab jetzt keine Zeit, will das nicht, brauchen wir das überhaupt“ zu erkennen gibt, kommt bei administrativen Beratern gar nicht gut an.

Zeigt sich dazu noch, dass die Entscheider in den vergangenen fünf Jahren keine einzige fachliche Fortbildung absolviert haben, nie Fachmessen und Tagungen besuchen, geschweige denn sich mit Fachliteratur weiterbilden, dann baut sich in einem solchen Betrieb eine unüberwindliche Mauer der Inkompetenz auf. Um diese dann zu vertuschen, wird meist auch noch gelogen und falsche Tatsachen werden externen Beratern vorgespielt. Die „Hidden Agenda“ regiert. Personaltourismus belebt den Mitarbeiterstand.

Glauben Sie im Ernst, ein administrativer Typ nimmt einen Auftrag als externer Berater in einem solchen Betrieb an? Ich glaube das nicht. Ehrlichkeit und Transparenz müssen von Beginn an sichtbar sein, um eine wertschätzende Zusammenarbeit in der Beratungssituation zu gewährleisten.

Fazit des administrativen Typs

Sie sehen, ich mag Regeln, Strukturen, Pläne, Ziele und ausdauerndes Arbeiten. Schließlich erleichtern Routinen ja auch den Alltag, geben diesem Sicherheit. Gute Pläne machen effizient und erhöhen die Wirtschaftlichkeit des eigenen Handelns. Und Ehrlichkeit und Transparenz stärken das Vertrauen.

Gehen wir also achtsam und in Augenhöhe, offen ins Gespräch, dann kommt dabei auch etwas Ehrliches heraus. Das Ehrliche ist dann umsetzbar. Denn Lügen und Verschleierungen trennen die Luftschlösser vom Machbaren.

Ist seitens der Geschäftsführung jedoch eine hundertprozentige Bereitschaft zur Verhaltensänderung gegeben, dann wird die Beratung auch ihre Wirkung zeigen.

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