Eine Binsenweisheit besagt: Du kannst Neues nicht mit alten Strukturen realisieren. Beobachte ich die Diskussion um Digitalisierung und die mit ihr einhergehende Transformation der Unternehmen, dann erkenne ich nur den „Blick in die Zukunft“. Alle reden von der Zukunft. Keiner schaut, ob die gewachsenen Strukturen auch Zukunft bringen können. Und wirklich niemand blickt auf das aktuell Vorhandene, auf den Status Quo.

Dabei gibt jedes zweite Unternehmen im D-A-CH einen eklatanten Knowhow-Mangel für die Digitalisierung des Betriebes an. In den ländlichen Räumen gesellt sich dazu auch noch ein massives Problem, passende Mitarbeiter zu finden. Das sagen die Studien. Was diese nicht beleuchten: Wie kann der Knowhow-Mangel rasch wettgemacht werden? Gibt es dazu schon passende Strukturen? Und müssen wir dabei größer denken, die Plattformen über eine Region spannen?

Digitalisierung bedeutet: leicht, flexibel, Teams arbeiten zusammen, Silos werden eingerissen, starre Hierarchien werden wirkungslos und behindern den Alltag im Unternehmen, Unternehmer sind gefordert sich mehr um ihre Unternehmer-Aufgaben wie Strategie, Vision, Positionierung, aktives Netzwerken, Umsetzung und Kontrolle zu kümmern,… Denn nur der digitalisierte, Werte getriebene Betrieb gewinnt heute das Rennen um die besten Mitarbeiter.

Solche Unternehmer-Aufgaben sollte man in einem Business-Netzwerk nachkommen können. Schließlich fehlen ja auch die Werkzeuge für Strategie in jedem zweiten Betrieb im D-A-CH. Und das klassische KMU mit maximal 9 Mitarbeitern findet im Alltag kaum Zeit, sich mit Vision, digitaler Strategie, Positionierung etc. auseinanderzusetzen.

Neue Plattformen für Digitalisierung sind für mich ThinkTanks, Innovationlabs, CoWorking Räume,…Kooperationsplattformen für KMU in ländlichen Regionen um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Angelika Wohofsky

Besonders dringlich erscheint mir, solche Plattformen in ländlichen Räumen einzurichten und von der klassischen Regionalentwicklung endlich Abstand zu nehmen. Die ist definitiv veraltete Struktur, viel zu behäbig bei Finanzierungen lässt die Startup-Szene an sich vorbeiziehen. Viel zu hierarchisch in Kompetenzsilos organisiert. Und mit viel zuviel Kirchturm-Denken ausgestattet.

Am Land benötigt niemand mehr das 27. Luxushotel oder das nächste Hüttendorf zur Stärkung der regionalen Wirtschaft. Wir brauchen auch keine Alibi-am Papier-Projekte für Arbeitssuchende und einen herbeigeredeten attraktiven ländlichen Raum.

Die vielen kleinen KMU am Land brauchen aber dringend Unterstützung und Mutmacher in Sachen Digitalisierung. Sonst sind diese Betriebe weg, weil sie im überregionalen Wettbewerb nicht mithalten können. Und weil die Landflucht v.a. der jungen Menschen auch eine Abwanderung von kaufkräftigen Kunden bedeutet. Dagegen hilft auch nicht das neueste Einkaufszentrum am Ortsrand. Schließlich konsumieren wir bis zum 45. Lebensjahr viel. Dann ist alles bezahlt, die Kinder sind draußen.

Der Umfang des Konsums nimmt aber zum Alter hin ab. Und genau dieses Faktum haben Regionalentwickler und Wirtschaftsinstitutionen in den Regionen da draußen absolut nicht im Blick. Stattdessen heißt es in den Wirtschaftsinstitutionen salopp: „Digitalisierung? Das ist nichts für unsere regionalen Betriebe! Das brauchen nur die in der Stadt!“

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