Da war es wieder, das leidige Thema Socialmedia Marketing und Bekanntheit von Dienstleistungen, Produkten, Initiativen, die für einen lebenswerten Planeten arbeiten, für ökologisch-wirtschaftlich-soziale Nachhaltigkeit. Aus leidvoller Erfahrung weiß ich, dass die Macher dieser Angebote viel zu oft zu kritisch und zögerlich gegenüber den Möglichkeiten des Social Webs eingestellt sind. Und dass viele meiner Zunft (Marketing-Branche) gar nicht auf die Idee kommen, ihre Talente für eine lebenswerte Zukunft auf diesem Planeten einzusetzen. Lieber schielt man nach dem „neuesten heißen Scheiß“ in Sachen Socialmedia und Content Marketing. Dabei haben wir ein größeres Problem zu lösen, nämlich die Folgen des Klimawandels und die Vermüllung unseres Planeten.

Alles für den Tunnelblick

Wir alle wissen, was wir im Social Web liken oder teilen, welche Suchbegriffe wir in Suchmaschinen eingeben, bestimmt die Inhalte, die während unserer Aktivitäten im Netz ausgespielt werden. Wir sitzen quasi in einem Themen-Tunnel fest, so lange, bis wir bewusst nach anderen Inhalten suchen. Damit produzieren wir unsere eigene kleine Welt, eine Blase (Bubble), ein eigenes Universum, das Teil unserer Komfortzone ist. Wir leben quasi mit Tunnelblick.

Diese Bubble werden wir nur schwer los, außer, es kommt von anderen „Universen“ was ganz Neues daher. Das gerade zu unserer aktuellen Lebenssituation passt, zu einem Problem oder einer Frage, dessen Lösung wir suchen, oder das Teil einer unterhaltsamen Geschichte ist. Stichwort: Zielgruppen relevanter, wertvoller Content.

Unser aller Konsum von Information wird von den Algorithmen der Suchmaschinen und Sozialen Netzwerke gesteuert. Und wir Marketer bauen fleißig eine Bubble nach der andern für unsere Kunden, für unsere Zielgruppen. Dabei vergessen wir Themen anzusprechen, die mindestens so wichtig für die Gemeinschaft sind, wie die Keywords und Trends jener Konsumgüter, für die wir Marketing betreiben.

Deswegen müssen wir neue Keywords einstreuen, die im Kontext der Nachhaltigkeit stehen und damit neue Bubbles, neue Wahrnehmungen, Themen, Perspektiven bauen. #herzenscontent

Was passiert aber mit den Themen der Nachhaltigkeit?

Wenn nicht gerade wieder die obligate Klimakonferenz am Programm aller Medien steht, verschwinden der Klimawandel, die Umweltverschmutzung, die sozialen und ökologischen Probleme in der Versenkung. Und das bis zur nächsten Klimakonferenz, bei der wir wieder feststellen, nichts bewirkt zu haben.

Wir Marketer sind als Kommunikatoren mitverantwortlich für das, was im Web steht, welche Themen dort zu finden sind. Wir dürfen uns nicht aus dieser Verantwortung herausnehmen.

Fällt euch übrigens auf, seit 2 Jahren reden die Mainstream-Medien nicht mehr von „es ist fünf vor Zwölf“. Warum wohl? Viel eher scheint es mittlerweile „zehn nach Zwölf“ zu sein, im Kontext einer 3 bis 5 Grad-Erwärmung bis zur nächsten Jahrhundertwende. Im Kontext der Zunahme sogenannter Hazardereignisse (Stürme, Jahrhundertfluten, Waldbrände, Trockenperioden) oder wachsender Plastik-Mini-Kontinente in den Weltmeeren. Jetzt ist Katastrophen-Schreibe angesagt (bad news are good news).

Gleichzeitig dümpeln die vielen nachhaltigen Initiativen weiter vor sich hin, fallen wie Blitzlichter kurz mal auf, wenn sie gestartet (Startups) werden oder scheitern. Die Initiatoren zögern aber beim Einsatz von Socialmedia und schaffen es kaum, ihre Webseiten in Sachen SEO ordentlich aufzustellen. Von Social Ads und Google AdWords will ich gar nicht sprechen, genauso wenig von einer Content Strategie, von Zielgruppenorientierung (LOHAS ist einfach zuwenig, zu grob, zu sehr auf den eigenen Teich/Bubble fokussiert) und klarer Positionierung der Markenbotschaft.

Mir ist keine Crowdfunding-Kampagne bekannt, die Geld für Socialmedia-Kampagnen zwecks mehr Awareness für das Thema, die Sache aufstellt – ich lasse mich aber gerne korrigieren.

Verantwortung und Stellung beziehen

Genau hier setzt unsere Verantwortung als Marketingprofis und Kommunikationsprofis an. Denn Initiativen wie Green Buildings, biologische und alternativ-nachhaltige Landwirtschaftsmodelle, klimaverbessernde Stadtplanung, Recyclingprozesse, Müllvermeidungssysteme, Grüne Energie-Anbieter, alternative Mobilitätskonzepte, Plastikvermeider, soziale Arbeitsprojekte, Wiederverwerter, Kreativwerkstätten und kooperatives Arbeiten wie MakerSpace, Pflanzentauschbörsen, Produzenten von und für Artenvielfalt, Wasseraufbereiter und -sparer, Mutmacher, Neue Arbeit-Denker und all die Aktiven, die sich für eine ökologischere, sozialere und gedeihende Gemeinschaft und Wirtschaft einsetzen, benötigen mehr denn je ein professionelles Content Marketing für eine starke Online Reputation.

Diese Themen dürfen nicht im Hype von Minimalismus, Vanlife oder „no plastic, no waste“ steckenbleiben, wo sie derzeit, meiner Wahrnehmung nach, immer noch herumtümpeln. Es liegt an uns Marketern, Nachhaltigkeit auf allen Ebenen ins Licht der breiten Öffentlichkeit zu rücken.

Die Digitalisierung ist ein Geschenk für gelebte Nachhaltigkeit

Gerade die Möglichkeiten der digitalen Technologien sollten wir Marketer für eine tragfähige Zukunft auf diesem Planeten nützen. Schließlich fliegt der Mensch ins All, züchtet auf der Raumstation ISS Gemüse und Algen, steht kurz vor der Besiedelung des Mondes (die Chinesen planen eine fixe Raumstation) und bereitet die erste Marsmission vor. Die Menschheit hatte und hat immer hochtrabende Pläne, die von der naheliegendsten Sache bestens ablenken können. Und der Mensch ist ein halbnomadisierendes, technisches Wesen. Er wird immer mit dem Einsatz von Technologien seine Probleme zu lösen versuchen.

Gleichzeitig bringen wir die Probleme mit Umwelt, Klima, Migration, Armut und Gewalt auf der Erde nicht in den Griff. Das ist doch ein Widerspruch in sich. Das große Heil im All suchen, den krankmachenden Wahnsinn hier auf der Erde einfach verrecken lassen. Besteht unser Seelenheil doch anscheinend darin, bei Problemen die Flucht nach vorne zu ergreifen. Oder liegt es an der mangelnden sozialen und ökologischen Verantwortung aller Menschen dieser Welt, die ihre Komfortzone erst verlassen, wenn es in dieser ungemütlich wird. Die ein Problem solange ausblenden, bis es sie erdrückt.

„Blockbuster mäßig auf nach Pangea, schielen wir auf die Reichtümer fremder Planeten, um ihrer habhaft zu werden. Yeah. Und tschüß, ihr primitven Lebensformen, ihr habt ja keine Ahnung, auf welchen Schätzen ihr sitzt!“

Marketer, nehmt soziale und ökologische Verantwortung wahr!

Dabei hätten doch wir Kommunikationsprofis und Marketer das Potenzial, durch den Einsatz digitaler Medien ein Umdenken in der Breiten Masse zu bewirken. Wir müssen uns dieses Umstandes nur bewusst werden und unsere Fähigkeiten für ein zukünftig tragfähiges Leben auf der Erde einsetzen. Wir haben unsere Talente und Fähigkeiten in den Dienst einer höheren Sache zu stellen,  und dürfen diese nicht nur zum eigenen Vorteil verwenden.

Ist doch „Umweltverschmutzung […] das Resultat von stillschweigender Duldung, Ignoranz und Apathie“, schreibt James Redfield.* Wir gehören zu den Kulturellen, die Zugang zu digitalen Medien haben, sie beherrschen und mit diesen zur Entwicklung von gelebter ökologisch-sozialer-ökonomischer Nachhaltigkeit beitragen können.

Also verlassen wir die eigene Apathie und nützen wir unsere Fähigkeit, Millionen Menschen für eine gute Sache zu erreichen. Vernetzen wir unser Wissen mit dem der anderen Disziplinen und machen wir die daraus gewonnenen Erkenntnisse, Produkte und Leistungen der ganzen Welt zugänglich.

Ich habe zum Thema mit Content Marketing für eine bessere Welt vor genau einem Jahr schon einmal geschrieben. Eine Veränderung hinsichtlich zu mehr Präsenz von nachhaltigen Initiativen, Unternehmen etc. kann ich jedoch nicht erkennen. Und das möchte ich 2019 ändern.

Mehr Rückgrat, um für nachhaltige Themen einzustehen

Wir sollten aber auch unsere Kunden auf eine ökologisch-sozial-ökonomisch nachhaltige Haltung aufmerksam machen, und, falls vorhanden, deren nachhaltiges Engagement in deren Content Marketing und Content Strategie aufnehmen.

Wer beispielsweise den Strom fürs Firmengebäude mittels Solaranlage gewinnt, darf das mit ruhigem Gewissen kommunizieren. Wer mit Trinkwasser bewusst umgeht, Bio- und Fair-Trade Produkte den Mitarbeitern in der Kaffeeküche zur Verfügung stellt, darf das auch im Web zur Sprache bringen. Das sind Imageträger und gelebte Werte, nach denen die Generation Y im Netz sucht.

Gerade bei der Generation Y werden Werte immer wichtiger. Leben Unternehmen ihre Werte und Transparenz als Arbeitgeber (25 %), im Umweltbereich (21 %) und der Customer Experience (supply chain management, logistics) mangelhaft oder gar nicht, dann ist die Marke bei den Ypsilonern total out. Dann wird sie, schnell wie ein Mausklick, gewechselt. – "Bye, bye!" – Gute Socialmedia Seiten oder Webseiten können diese Fehler dann nicht mehr reparieren. Das ergab eine YouGov und GTNexus Studie vom November 2016.

In der Fachliteratur taucht zudem immer öfter die hohe Bedeutung von Werten bei der Zielgruppe auf, sodass sogar darüber diskutiert wird, sich von klassischen USPs zu verabschieden, da diese zusehr auf den Verkauf abzielen. Dieser USP-Fokus sollte, aus Sicht des Content Marketings, mit gelebten, transparenten Werten für die Positionierung der Marke ersetzt werden. Nur müssen diese Werte echt sein, gelebt, angreifbar, transparent.

Wenn wir also wertebasiert die Zielgruppe, oder besser gesagt, die Menschen erreichen können, warum sollten wir Online und Content Marketer uns nicht dafür engagieren, ökologisch-sozial-ökonomisch nachhaltige Werte besonders zu vertreten? Treffen diese doch genau ins Herz der Generation Y und Generation Z, die vom Klimawandel als Nachfolgenerationen der Gen-Xler ganz besonders betroffen sind.

lagune venedig müll, Autoreifen, Sumpfzone, Blick vom Straßendamm zwischen Padua und Chioggia

Venedigs Lagune ist vermüllt. Foto vom Juni 2015; Autoreifen liegen neben Plastikmüll an der Dammstraße nach Chioggia im Wasser dieses empfindlichen Ökosystems.

Fazit Socialmedia Marketing und Klimawandel

Für ein solches Engagement der Marketing- und Kommunikationsbranche zum Erhalt einer lebenswerten Erde möchte ich 2019 zu arbeiten beginnen. Ich rufe also meine Fachkollegen, denen unsere Welt, unser Klima, unsere Umwelt, unsere Natur, Wasser, Luft und die Menschheit am Herzen liegen, und die sich nicht gerade auf ihre erste Marsmission vorbereiten („heißer Scheiß“), dazu auf, im kommenden Jahr zusammenzufinden.

Wir sollten uns als „Planet Marketer“ vernetzen und gleichzeitig den nachhaltig agierenden Unternehmen unter unseren Kunden eine Plattform für gegenseitig größere Awareness zur Verfügung stellen.

Was meint ihr?

Wer macht mit?

Habt ihr Ideen für eine solche Community?

Ich freue mich auf eure Kommentare dazu. Wer will, kann mir auch eine Email senden an angelika@entdecktdiewelt.com oder mir am Facebook Messenger meiner Facebook-Seite eine Nachricht hinterlassen.

Ich wünsche euch ein friedliches, nachhaltiges Weihnachtsfest!

Eure Angelika Wohofsky von

ENTDECKT DIE WELT | Deine persönliche Werbeagentur (ab 2019).

#herzenscontent

(Danke für dieses schöne Buzzword „herzenscontent“, genannt im Podcast von Content-Kompass , den ich übrigens euch allen sehr empfehlen kann. :) ) 

weihnachten wintergarten, Hütte, Schnee, Bäume im Alpengarten Bad Aussee

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Quellen:

* James Redfield, Carol Adrienne: Das Handbuch der zehnten Prophezeiung von Celestine. 3. Auflage. Ullstein: 2008.

Fotos: alle Rechte bei Wohofsky | Entdeckt die Welt

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