Als ich 2010 mein journalistisches Projekt “PROJEKT Life” startete, wurde ich kurz nach Start zur Tagung “Arbeit im Wandel” von der SPES nach Schlierbach eingeladen. Dort traf ich den Vater des “New-Work”-Gedankens, Frithjof Bergmann. Der Philosoph und Vordenker für eine neue Kultur und neue Sicht von Arbeit starb am 24. Mai 2021 im Alter von 90 Jahren.

Frithjof Bergmann – Preisboxer und Philosoph

Mein damaliges Herzensprojekt, ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit in die breite Masse zu tragen und dafür das journalistische Format zu nützen, führte mich zu Frithjof Bergmann. Im Sommer 2010 veranstaltete das SPES Bildungshaus in Schlierbach eine Tagung mit dem Titel “Arbeit im Wandel”. Zu dieser Tagung wurde ich eingeladen, mein Projekt dort vorzustellen. Doch die Keynote hielt ein etwas schräg anmutender Philosoph aus Flint, USA: ein gewisser Frithjof Bergmann.

Als Begründer einer Philosophie mit dem Titel “Neue Arbeit – Neue Kultur” war Frithjof Bergmann so schon eine illustre Gestalt. Auch seine Erscheinung passte zum Image des Querdenkers, eines Mannes, der ganz bewusst aus der Reihe tanzte. Der seinen Weg in der Philosophie fand und mit ihr seine Erfahrungen als Preisboxer und Arbeiter in der Automobilindustrie verarbeitete.

Ein Mensch, der sehr früh in seinem Leben entdeckte, dass die meisten Menschen keine Ahnung haben, was sie wollen. Dass sie “arm an Begierde”, ihrem eigenen Leben einen kraftvollen Ausdruck zu verleihen, sind. Die meisten Menschen würden nur funktionieren und somit an der “milden Krankheit” Arbeit leiden, die irgendwann einmal vorübergeht. Auch sei die Behübschung der Lohnarbeit, indem man den Mitarbeiterinnen einen Obstteller vor die Nase stellt, nicht mit seinem Ansatz von Neuer Arbeit vergleichbar. Es ginge bei diesem vielmehr um ein grundsätzliches Umdenken, einen veränderten Blick auf die Arbeit selbst und den Menschen, der sie tut.

Bergmann fordert: Bevor man zu arbeiten beginnt, soll man sich einer sehr persönlichen Frage stellen. Die Frage nach dem, was man wirklich wirklich tun will.

Tue, was du wirklich wirklich willst!

Aus solchen philosophischen Gedanken heraus entstand ein völlig neues Verständnis von Arbeit. Der Mensch müsse einer Arbeit nachgehen, die er wirklich wirklich will. Klassische Lohnarbeit war in Bergmanns Augen nur ein 200 Jahre altes Modell und kein Naturgesetz zur Legitimation von Macht und Ausbeutung.

Statt sich der Arbeit zu unterwerfen, sollte die Arbeit dem Menschen dienen und ihm Kraft und Energie verleihen, ihn in seiner Entwicklung unterstützen. Diese Forderung vertrat Frithjof Bergmann mit Vehemenz.


Portrait Frithjof Bergmann und Angelika Wohofsky

Ich, hier rechts im Bild und damals jünger und für PROJEKT Life im Einsatz, traf Frithjof Bergmann bei der SPES im Sommer 2010. Frithjof war damals schon zarte 80 Jahre alt! Seine Idee einer Neuen Arbeit und einer Neuen Kultur faszinierte und motivierte auch mich dazu, meinen eigenen Weg zu gehen. Das zu tun, was ICH wirklich wirklich will. Seine Botschaft traf genau zur richtigen Zeit mein Leben. Foto: Wohofsky


Bergmanns Botschaft war Wasser auf die Mühlen jener, die sich im Schatten des Wirtschaftskollaps 2008 um Alternativen bemühten. Die sich angesichts des aufziehenden Klimawandels und seiner Folgen nach anderen Modellen, den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, umsahen.

Und da war er jetzt, der Frithjof Bergmann, dessen Worten ich aufmerksam lauschte, und der soviel über sein “Zentrum für Neue Arbeit” zu erzählen wusste. Ohne dass ich erfuhr, wo denn dieses Zentrum für Neue Arbeit tatsächlich sei. Es schien beinahe so, als sei dieses Zentrum nur eine Vision im Kopf des Frithjof Bergmann. Sei’s drum. Die Vision ist ja schließlich aller Anfang des Neuen.

Frithjof Bergmann – Visionär und Wegbereiter

Ein “Zentrum für Neue Arbeit” ließ sich auch in all den Jahren nicht finden. Was ich aber fand, war der Mensch Frithjof Bergmann, der mir dabei half, über den Tellerrand meiner eigenen Komfort- und Erfahrungszone zu steigen. Denn, weshalb sollte es denn nicht möglich sein, die eigene Arbeit auf das, was ich wirklich wirklich will hin zu überprüfen und dann zum Ausdruck zu bringen.

Ich glaube, genau dieser Impuls stellt auch die eigentliche Leistung des Frithjof Bergmann dar. Des Pfarrerssohnes, der mit seinen Eltern vor den Nationalsozialisten floh und so auch die Chance erhielt, das zu tun, was ER wirklich wirklich wollte. Nämlich der Vision einer Neuen Arbeit und einer Neuen Kultur Sprachrohr zu sein und ihr ein Bild von Zukunft zu geben.

Sein eigentliches Lebenswerk war es, den Menschen um ihn herum eine realistische Antwort auf die zunehmende Automatisierung in Industrie und Produktion zu geben. Ihnen zu zeigen, dass Arbeit auch anders geht, freudvoller und befriedigender. Und dieses Thema ist heute aufgrund der Digitalisierung aktueller denn je.

Herzlichen Dank dafür, lieber Frithjof Bergmann!

Hier findest du eine Beschreibung von PROJEKT Life.

Mehr über Frithjof Bergmann lesen in 3tn.

Hat dir der Artikel gefallen? Dann teile ihn bitte in deinem Netzwerk.
close
„Mit dem Klick auf ‚Abonnieren‘ erklären Sie sich mit dem Empfang des Newsletters mit Informationen zu Digitaler Kommunikation und Angeboten unseres Unternehmens] sowie mit dessen Analyse durch individuelle Messung, Speicherung und Auswertung von Öffnungsraten und der Klickraten in Empfängerprofilen zur Zwecken der Gestaltung künftiger Newsletter entsprechend den Interessen unserer Leser einverstanden. Die Einwilligung kann mit Wirkung für die Zukunft widerrufen werden. Ausführliche Hinweise erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung“).
0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.