Sensibler für Worte zu sein, bedeutet genauer auf die Art der Kommunikation zu achten. Hinter diesem kryptischen Titel möchte ich einen Satz zur Diskussion stellen, den ich unlängst in einem Webinar hörte.

„In Familien, in denen sich die Männer um das Geschäftliche kümmern, dürfen Frauen Impulse geben, Männer kümmern sich ums Unternehmen.“

Zugegeben, das Ursprungszitat mit der Betonung auf „dürfen“ kommt von einem Mann. Ich denke, es ist auch der Sichtweise eines Mannes geschuldet, die selbst von Männern als meist zu eindimensional kritisiert wird. Und es lässt die Tatsache völlig außer Acht, dass die Haus-Wirtschaftsführung selbst bei traditioneller Rollenverteilung von Frauen bewältigt wurde und wird. Frauen halten das Geld zusammen. Frauen führen ein Wirtschaftsbuch mit Einnahmen und Ausgaben. Männer geben das Geld, möchte man sagen, wenn wir schon mit platten Klischees argumentieren wollen.

Wie wäre es mit mehrdimensionaler Kommunikation?

Unterlegen wir also diesem, als eindeutig männlich konnotiertem Zitat eine polydimensionale Perspektive, dann kommt beispielsweise folgender Satz mit weiterführenden Bedeutungen heraus:

„Frauen setzen Impulse und fällen damit Entscheidungen, Männer setzen die Entscheidungen um.“

Es wäre aber auch diese Deutung möglich:

„In Familien, in denen die Männer dem Broterwerb nachgehen, setzen Frauen Impulse, sie planen, strukturieren, treffen wirtschaftliche Entscheidungen, die die Männer durch ihren Broterwerb umzusetzen verstehen.“

Selbst die Weiterführung der Satzaussage im Appell, Frauen sollten sich auf Impulse beschränken und dürfen solche gerne abgeben, wohingegen Männer nach außen den aktiven Part übernehmen, öffnet die Polydimension dieses Zitates. Diese erschließt sich uns erst, wenn wir die Rahmenbedingungen, die Biografie des Sprechers dem Ursprungszitat aus Verständnisgründen hinzufügen. Und indem wir damit auch Interpretationsspielraum zulassen, der von persönlichen Erfahrungen des Sprechers und Empfängers (der Gesprächspartner) gesteuert ist.

Ein Satz, viele Inhalte

Na, wie klingt das jetzt für Sie? Ich hoffe Sie erkennen, wie wichtig eine polydimensionale Kommunikation ist, um die vielfältigen Bedeutungsinhalte von scheinbar hingeworfenen Sätzen zu erfassen. Genau diese Vielfalt kommt nämlich beim Empfänger an. Ich habe in diesem Kontext bereits auf meinem Facebookprofil eine Story hinsichtlich der vierdimensionalen Botschaften veröffentlicht. Die folgende Grafik beschreibt dieses 4-Seiten-Modell und ihre Bedeutung für Botschaften. Sie folgt dem Kommunikationsmodell von Friedemann Schulz v. Thun, das zum Einmaleins der Kommunikationswissenschaften zählt. Ist es doch Kommunikation, mit dem wir Marketer uns täglich ausdrücken, sodass wir uns auch mit diesen Hintergründen zu befassen haben. Marketing bedeutet ja auch professionell zu kommunizieren.

Grafik zeigt das 4-Seiten-Modell der Kommunikation von Friedemann Schulz v. Thun
Das 4-Seiten-Modell von Schulz v. Thun zählt zum Grundlagenwissen der Kommunikationswissenschaften und der Kommunikationspsychologie. (c) Wohofsky, Canva Grafik.

Fazit zur Art der Kommunikation

Wie im oben bereits verlinkten Beitrag beschrieben, der das Marketing als Arbeitsfeld der Unternehmenskommunikation darstellt, haben wir Marketer und PR-Verantwortliche auch eine Verantwortung gegenüber den kommunizierten Inhalten zu übernehmen. Eben weil das so selten geschieht, scheinen Marketing und PR als Disziplinen der Kommunikationspolitik auch einen derart schlechten Ruf, die Menschen jederzeit manipulieren zu wollen, zu genießen.

Ich plädiere daher dringend, liebe Unternehmer*innen, wählt Agenturen aus, die offen und transparent kommunizieren und ebenso für euren Betrieb in Aktion treten. Und haltet Abstand von jenen, die es mit der Transparenz nicht so genau nehmen, weil eure Kunden es erfahren, wenn ihr sie anlügt oder den Sachverhalt beschönigt. Welche Konsequenzen das auf euren Geschäftsgang hat, muss ich wohl nicht näher ausführen.

Weiterführende Links zum 4-Seiten-Modell

Wer über das 4-Seiten-Modell und Friedemann Schulz v. Thun weiterlesen möchte, findet hier auf Wikipedia relevante Links. Klickt auch die Wikipedia-Quellen an. Für Leseratten empfehle ich das Standardwerk von Schulz v. Thun: „Miteinander reden“ in 3 Bänden; hier insbesondere Band 1, Störungen und Klärungen.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Vier-Seiten-Modell sowie https://de.wikipedia.org/wiki/Friedemann_Schulz_von_Thun

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