SONNTAGSBRUNCH – Wie geht es mit der Digitalisierung weiter und welche Trends im Online Marketing lassen sich für 2019 erkennen? Werfen wir also einen Blick ins Universum des Marketings und dabei auf den Mittelstand und die kleinen Unternehmen. Sie machen ja die Mehrheit der Wirtschaftskraft aus und stellen die meiste Arbeitsplätze zur Verfügung. Und sie haben 2019 besonderen Handlungsbedarf in Sachen Online Marketing.

In diesem Beitrag zum Sonntag geht es um die Trends für 2019, die ich auf die kleinen und mittelständischen Unternehmen zukommen sehe. Es handelt sich dabei eher um Hausaufgaben, die schleunigst zu erledigen sind. Also, sehen wir uns an, worauf es, meiner Meinung nach, in 2019 ankommen wird.

Die Nummer 1 unter den Trends im Online Marketing – Kunden richtig gut zu kennen wird zur Pflicht!

Die Customer Journey und ihr Mapping werden immer wichtiger. Warum? Weil wir uns mit dem Kunden und seinen Vorlieben beschäftigen müssen. Ob wir das für sinnvoll halten oder nicht, steht dabei nicht zur Diskussion. Wer die Reise des Kunden nicht erkennt, sie nicht versteht, für den wird es immer aufwändiger werden, die Kunden auch zu erreichen. Das wird sich beim Mittelstand wie folgt zeigen:

  • immer weniger Neukunden, Akquise wird schwieriger
  • Umsätze gehen zurück
  • mehr Aufwand fürs Marketing und für Werbung
  • immer öfter nicht das Angebot bieten können, was nachgefragt wird („am Kunden vorbei“)
  • einfach nicht gefunden werden, im Web, von Suchmaschinen, im Social Web
Damit sind wir bei zwei Buzzwords angelangt, die 2019 an Bedeutung gewinnen werden:

die Customer Journey und Customer Journey Map.

Es wird vielen Mittelständlern einfach nichts anderes übrig bleiben, als die Hausaufgaben in Sachen Positionierung, Zielgruppendefinition, Personas und Markenkern zu machen. Ich sehe hier einen eindeutigen Trend, sich noch mehr mit der Zielgruppe beschäftigen zu müssen.

 

Marketing Menschen – Bitte Fachwortschatz kübeln!

Wir Marketer dürfen uns davon verabschieden, auf Begriffe wie „Content Strategie“, „Funnel“, „KPIs“, Customer Journey etc. zu setzen. Die Leute da draußen, unsere Kunden, verstehen sie nicht. Sie können damit nichts anfangen und haben regelrecht Angst vor solchen Begriffen, da sie fürchten, ihr Business falsch gemacht zu haben. Wir müssen für sie diese Begriffe übersetzen, in ganz einfache Umschreibungen und damit VERTRAUEN aufbauen.

Weg mit den Fachbegriffen, erklären wir den Kunden auf ganz einfache Art, was wir bei ihm verbessern können und worum es dabei geht. Schaffen wir eine Vertrauensbasis.

Unsere Kunden wissen nämlich nur, dass sie eine neue Webseite brauchen, dass sie Werbung auf Socialmedia machen müssen, dass sie Umsatz generieren müssen und es immer schwieriger wird, den Kunden zu erreichen. Sie denken gar nicht daran, dass das Problem an mangelhaften Strukturen und Prozessen ihres Unternehmens liegen könnte. Viele Entscheider glauben nämlich, die Sache mit Online sei eine Angelegenheit der IT, ein Programm könne das Problem für sie lösen. Wer in diesem Kontext beispielsweise mit „Personas“ oder „Content Strategie“ um sich wirft, wird schlichtweg nicht verstanden.

Die Kundenakquise wird für uns Marketer und Agenturen auch in 2019 eine Herausforderung bleiben. Unternehmen werden vermehrt Agenturen beauftragen zu denen sie auch Vertrauen haben.

In vielen Unternehmen entscheiden keine Digital Natives. Da sitzen noch zuviele Generation X-ler am Ruder und die tun sich mit unseren Online Marketing Buzzwords verdammt schwer. Überhaupt auch mit der gesamten Materie des Content Marketings, das viele Entscheider schlichtweg mit Werbung verwechseln. Sie wissen nur, sie müssen was tun. Fachwortschatz verschreckt sie.

Die meisten Manager und Entscheider in Unternehmen verstehen übrigens das Wort „Content“ nicht, halten dies für etwas Abstraktes, das dem Unternehmen wenig bis nichts bringt. Marketer müssen umdenken,… und selbstverständlich gibt es auch Systeme, mit denen man die Inhalte, den Content verwalten kann. Also Finger weg von Begriffen wie „CMS“ oder „Content Management System“. Selbst Old-School-Marketer steigen bei Verwendung dieser Begriffe fachlich aus.

Tipp: Verwendet doch mal openthesaurus.de um Synonyme für eure Fachbegriffe zu finden!

 

Generation Y nützt andere Medien als 1960er Jahre Geborene

Be where your consumers are and talk about what they want to talk about…. noch mehr Millennials, noch mehr Generation Y, und Generation Z zusätzlich dazu. Bamm, wer das nicht kapiert, fliegt ins Out.

Jetzt bricht sie an, die Zeit in der bis zu vier Generationen gleichzeitig an einem Arbeitsplatz anzutreffen sind. Die alten Hasen, die Baby Boomer, kurz vor der Pensionierung, die Generation X-ler, die ab 1964 bis 1980 geboren wurden und die die Unternehmen leiten bzw. im Management sitzen. Dann die Digital Natives, die Generation Y, von denen die Ältesten nun auch ins Management drängen und das Arbeitsumfeld entscheidend verändern – Stichworte: Homeoffice, Work-Life-Balance, Geld ist nicht alles,… Und zu guter letzt die Generation Z, die Youngsters mit ihren immer griffbereiten Smartphones und der „allways on-“ und „überall im Netz-Mentalität“.

Diese beiden letzten Generationen sind aber auch die Kunden, die wir ansprechen müssen, wollen wir das Unternehmen in eine tragfähige Zukunft führen. Und deswegen brauchen wir die Customer Journey, strategische und taktische Personas sowie eine digitale Strategie und die mit ihr einhergehende Content Strategie. Wir müssen einfach wissen, welche Inhalte diese Generationen im Netz suchen und mit welchen Online Medien wir sie ansprechen können. Zieht der Mittelstand dabei nicht mit, wird er diesen Fehler in folgenden Bereichen spüren:

  • junge und jüngere Kunden gibt es kaum, finden nicht zum Unternehmen
  • wenige Stammkunden
  • mit Kundenbewertungen sich herumschlagen
  • Druck nimmt zu, in Socialmedia aktiv sein zu müssen
  • junge Kunden wandern zur Konkurrenz und kaufen online lieber als im Shop
  • und als Arbeitgeber findet man schwer Mitarbeiter, die auch bleiben
Die Wichtigkeit, eine digitale Strategie mit Fokus auf Millennials und Generation Z plus eine CONTENT STRATEGIE zu erarbeiten, wird immer notwendiger werden. Der Mittelstand kommt dem in 2019 auch immer weniger aus, weil er es finanziell spüren wird, wenn diese beiden Strategien im Unternehmen fehlen.

 

Trend – Machtkämpfe zwischen Old School und Digital

Baut euch eure Marketingabteilungen um. Setzt auf Content Strategie, um die Trends in eurer Branche rechtzeitig wahrzunehmen. Das sehe ich als einen der Trends im Online Marketing für 2019. Fertigt Customer Journey Maps für eure Buyer Personas an und geht proaktiv den nächsten Schritt der Digitalen Transformation im Unternehmen.

Zeitgemäßes Marketing bedeutet, sich von klassischer Werbung mit aggressiven Verkaufsimpulsen zu verabschieden und zur Kommunikations- und Wissensabteilung des Unternehmens aufzusteigen. Weg vom Push, hin zum Pull.

Ach ja, und die Firmenleitungen werden sich drauf einstellen müssen, in strategischen Fragen neben der IT auch die Profis aus ihren Marketingabteilungen zurate zu ziehen, wollen sie nachhaltige Entscheidungen treffen. Gesetzt des Falles, sie haben in ihrer Marketingabteilung auch Online Marketer und Marketing Strategen sitzen und nicht nur den klassischen Werbeverantwortlichen, dessen Alltag aus Kleinanzeigen, Messeorganisation, Katalog „machen“ und Agenturbriefings besteht.

Wer sich bei diesen notwendigen Maßnahmen nicht angesprochen fühlt, darf sich dann nicht wundern, immer mehr für Werbung und Marketing ausgeben zu müssen, bei gleichzeitigem Umsatzrückgang. Denn Kluft zwischen Old School Marketing und Digitaler Marketingführung wird auch 2019 größer werden.

 

Glaubwürdigkeit und Werte zählen

Die vielzitierten Werte, die ein Unternehmen offen lebt und transparent zum Kunden hin vermittelt, werden an Bedeutung gewinnen. Und zwar beim Kunden, der 2019 zunehmend drauf schaut, bei wem er was unter welchen Bedingungen kauft. Ob’s die Firma ehrlich mit ihm meint oder er sich von dieser als „Geldbörse auf zwei Beinen“ missbraucht fühlt.

So wechseln 34 % der Generation Y die Marke, wenn sie erfahren, dass das Unternehmen ihrer Wahl seine Mitarbeiter benachteiligt, ausnützt oder in Umweltbelangen unethisch handelt. Werte werden also noch wichtiger werden. Die Unternehmen werden sich an ihren Werten noch stärker ausrichten müssen, wollen sie 2019 die Kunden an ihre Marke binden.

 

Geschichten erzählen, vom Warum, Was und Wie

Komplexe Sachverhalte merken wir uns als Geschichte erzählt leichter, als diese in Form einer Tabelle oder Produktliste präsentiert zu bekommen. So setzen Unternehmen, die wirklich hervorstechen werden, 2019 ganz gezielt aufs Storytelling. Auf das Geschichten-Erzählen über ihre Angebote, übers Unternehmen.

Diese Stories werden dann auf den verschiedenen Socialmedia Plattformen erzählt und beinhalten vor allem das Warum, das Was und das Wie der Angebote. Sie rücken die Menschen in den Vordergrund, die Intention und die Leidenschaft des Unternehmens fürs Produkt. Das will erlebt und erfahren werden.

Achtung: Storytelling muss man lernen. Das geht nicht einfach so nebenbei. Gute Storyteller verfügen meist über einen journalistischen, redaktionellen Hintergrund. Diese Kollegen in der Marketingbranche werden wohl in 2019 noch gefragtere Mitarbeiter sein.

Weg vom Angebot und Produkt, hin zur Information mit Mehrwert, unterhaltsam, spannend. Und bitte ja keine aufgesetzten künstlichen Geschichten erfinden von irgendwelchen Peters, Seppen oder Liesln, die ein Unternehmen besuchen um deren Angebote zu präsentieren. Das ist weder unterhaltsamer Mehrwert, noch ist es witzig, geschweige denn Storytelling. Das ist eine versteckte Agenda, die das Content Marketing vergiftet und die zeigt, dass man nicht verstanden hat, wie Online Medien funktionieren.

 

Fazit für Trends im Online Marketing 2019

Es ist mengenmäßig nicht viel, was ich an Trends im Online Marketing für 2019 sehe. Es ist aber viel Inhaltliches, Konzeptionelles zu tun. Diese Hausaufgaben müssen die Unternehmen selber machen. Und sie werden in 2019 immer weniger drum herumkommen, Hausaufgaben wie Customer Journey, Zielgruppenanalysen, strategische Planung der Unternehmensziele an Agenturen auszulagern. Der Leidensdruck für diese Hausaufgaben wird 2019 weiter zunehmen, bei zwei Optionen für deren Lösung: Kopf in den Sand stecken und alles Unangenehme outsourcen, um dabei gleichzeitig Opfer der eigenen Bequemlichkeit zu werden = Insolvenz, zusperren, verkaufen, Ende der Geschichte. Oder in die Hände spucken und die Hausaufgaben aufarbeiten, mit vereinten Kräften, volle Kanne in Zusammenarbeit mit allen Abteilungen gehen.

Das hat etwas mit knallharter Basisarbeit, schön brav ordentlich und strukturiert zu tun. Nichts für Action verliebte Kampagnen-Schmeißer. So wird die Nachfrage nach Content Strategen zunehmen. Davon bin ich überzeugt.

Unternehmen, die sich in diesem Jahr weiterentwickeln, werden genau diese Dinge tun:

  • Mehr strategisches Vorgehen
  • mehr Plan und Konzept
  • mehr nachdenken und nicht jeden Mist gleich bewerben
  • auf Socialmedia von Interaktions-Ads Abstand nehmen, dafür auf konkrete Leads und Conversions zielen
  • eine Strategie, eine digitale und eine für den Content aufsetzen und umsetzen
  • Customer Journeys ausbauen und wissen, wer der ideale Kunde ist
  • die Unternehmensziele immer im Fokus behalten
  • Kennzahlen und gewonne Kundendaten auswerten und optimieren
  • ein gutes Monitoring aller Kommunikationsmaßnahmen einsetzen
  • Mitarbeiter einstellen, die sich im Unternehmen entwickeln dürfen
  • eine Fehlerkultur pflegen und auf Zusammenarbeit in allen Ebenen setzen
  • die Generation Y und die Generation Z mit an Bord holen, als Kunde, als Mitarbeiter
  • mit gelebten Werten und Begeisterung das Unternehmen steuern
  • authentisch und transparent sein, mit hoher Usability aller Kommunikationskanäle
  • die Marketingabteilung zur Kommunikationszentrale umbauen
  • einen Social CEO und Mitarbeiter als Markenbotschafter auf Socialmedia aufbauen

In diesem Sinn, frohes Schaffen für 2019!

***

Trends im Online Marketing, ergänzt am 10.1.2019 mit diesen Trends des Content Marketing Forum, unterlegt mit äußerst interessanten Zahlen wie beispielsweise: jeder zweite Change-Prozess in DACH-Unternehmen scheitert aufgrund fehlender Kommunikation und strategischem Vorgehen. Steht alles drin, in diesen Trends, was ich im Artikel schon erwähnte. Die CMF-Trends könnt ihr euch hier downloaden.

 

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