SONNTAGSBRUNCH – Davonlaufen, anschreien, beleidigt sein. Hochroter Kopf, kurz vorm Platzen. Tja, das gibt es auch bei Unternehmern. Ganz besonders dann, wenn sie Fakten zu hören bekommen, die ihnen, warum auch immer, nicht in den Kram passen. Wenn sie mit Anforderungen ans Online Marketing konfrontiert werden, die sie so gar nicht nachvollziehen können. Dann wird der Mitarbeiter zum Problemfall. „Schwierig, schwierig. Was machen wir mit ihm? Am besten wäre es, er kündigt selber und wir sind ihn los.“

Leider kommen wir Content Marketer und auch Online Marketer immer wieder in solche Situationen. Wir werden von der IT nicht verstanden, da die glauben, der Content Marketer sei so ein Socialmedia-Kasperl, der keine Ahnung von technischen Lösungen hat. Und wir finden für diese Ausgrenzung bei Vorgesetzten kaum Gehör. Da möchte die Geschäftsführung nicht wahrhaben, dass Marketing mittels hochwertiger Inhalte (=Content) mehr ist, als einen Post auf Facebook zu stellen, einen Blogbeitrag zu schreiben oder mal einem User über Messenger zu antworten. Und da sitzen dir die Abteilungssilos mit aller Macht im Nacken, weil sie ihre Hoheitsgebiete vor dem „Eindringen“ des Facebook-Fuzzi mit seiner, in deren Augen sinnlosen Tätigkeit (Was, Geld kriegt der auch noch dafür?) bis aufs Blut verteidigen.

Dass eine solche Unternehmenskultur alles andere als Seltenheitswert genießt, zeigen die Diskussionen, die seit einiger Zeit in meinem LinkedIn Netzwerk geführt werden. Viele Kollegen bedauern dort die mangelnden Führungsqualitäten, Entscheidungsschwächen, Know-How Lücken und eine auf Misstrauen und (teils sexistischen) Kontrollwahn aufgebaute Unternehmenskultur, voll gepackt mit Silodenken, Machtstreben (i gib nix her und wenn du fragst, hau ich dich!) und dem Nichtvorhandensein der großen Unbekannten, der Fehlerkultur.

Interne Machtkämpfe verhindern Content Marketing

In solchen Umgebungen arbeiten Content Marketer unter Generalverdacht: Geld kassieren und verbraten und nix tun, im Homeoffice. Was sich die Führungsebene denkt, steht dieser meist ins Gesicht geschrieben und wird über kurz oder lang sowieso sichtbar, nämlich: „Und überhaupt, was die nicht alles wollen. Eine kreative Arbeitsumgebung, Work-Life-Balance, gestern das neueste iPhone, heute fragen sie nach Alexa, morgen soll’s gar eine Drohne sein. Projekte gehören her! Maßnahmen müssen umgesetzt werden, Geld muss verdient werden! Zum Tratschen und Kaffeetrinken – sie nennen das „Meeting“ – haben die gefälligst zuhause zu bleiben, diese Content Marketer. Wie die nerven können, die mit ihren Personas, Customer Journeys, Zielen und Strategien. Diesen wissenschaftlichen Mist brauchen wir nicht. Keine Zeit. Eine Torten-Grafik gehört her, die genügt mir; und ja keine Exceltabelle dafür schreiben, das kostet nur Geld!“

Okay, in einer solchen Umgebung werden wir nicht alt. Wir gehen, konsequent, und das, umso jünger wir sind – zumindest lässt sich die Generation Y diese behindernden Arbeitsbedingungen nicht mehr gefallen und pfeift auf den Job. Die Mutigen unter den Gen-Xlern tun es ihnen gleich. Content Marketer brauchen nämlich die täglichen Stand-ups. Wir brauchen unsere Meetings in einem lockeren Rahmen. Und nein, Redaktionssitzungen eignen sich nicht zur Befehlsausgabe einer Marketingleitung, Name „Old School“. In ihnen wird diskutiert, was man wo und wie und wann verteilt. Was die nächsten Meilensteine sind, wo die Trends hinzeigen, wer mit welchem Content beauftragt wird und was gut lief und das Monitoring ergab. Und zu guter Letzt, welche Ziele die Geschäftsführung verfolgt und wie wir diese mit gutem Content Marketing erreichen können.

In Unternehmen, denen eine Fehlerkultur, ein abteilungsübergreifendes, vorbehaltloses Miteinander und der einstimmige Wille der Geschäftsführung, sich im Internet mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln sichtbar zu machen, fehlt, wird Content Marketing nicht funktionieren. Die Inhaber dieser Firmen erkennen dabei nicht einmal, wie sehr sie sich mit ihrer ausgrenzenden Haltung selbst gefährden. Wie sehr sie die Arbeitsplätze (den eigenen und die ihrer Mitarbeiter) aufs Spiel setzen, indem sie sich in Projekten, Aktionismus und in Verweigerung üben.

Firmen, die hingegen die Chance ergreifen, sich nicht nur im Online Marketing, sondern auch intern, kulturell völlig neu aufzustellen, Kooperationen und die Digitalisierung fördern, werden zu den Gewinnern zählen. Und das früher als gedacht.

Meint zum sonntäglichen Brunch,
Angelika Wohofsky

Die Angst muss weg, sagt Anne M. Schüller, da diese die Unternehmen langsam und dumm macht.

https://www.linkedin.com/pulse/die-angst-muss-weg-macht-unternehmen-langsam-und-dumm-sch%C3%BCller/
0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.