Ich berate auch spätberufene Gründer. Bei ihnen fällt mir auf, dass sie den Businessplan oft sträflich vernachlässigen. Kein Wunder, hat man zwar viele Jahre Erfahrung in seinem Fach gesammelt, eine kaufmännisch orientierte Ausbildung in der Jugend ist dann aber schon Jahrzehnte vorbei. Manchen fehlt eine solche, weil sie nie am Stundenplan ihrer Ausbildungslaufbahn stand, weil sie an einem Gymnasium maturierten oder sie nie Bestandteil der Lehrausbildung war. So gründet man dann allein aufs Produkt fokussiert, und vergisst dabei aufs Kaufmännische.

Ein guter Kaufmann sein

Meine erste Gründung erfolgte 1998. Mit 1. Jänner dieses Jahres trat ich als PR-Kommunikationsberatungsunternehmen unter dem Titel FLURCoaching auf. Bevor ich gründete (ich hatte eine klassische Matura einer AHS und etwas Wirtschaft mit BWL und VWL im Studium) fehlte mir aber das unternehmerische Handwerkszeug. Mir fehlte das, was man als Kaufmännisches Fach bezeichnet.

Mit Buchhaltung hab ich nichts am Hut.

Ich wusste nicht, wie man Buchhaltung macht, was ein Anlageverzeichnis ist und was Konten in der Buchhaltung bedeuten. Ich konnte auch keine Bilanzen lesen, hatte keine Ahnung von variablen und Fixkosten und wusste nicht, was ein Deckungsbeitrag ist und wie man diesen berechnet.

Unternehmerakademie zeigte, wie es geht

Also absolvierte ich zur Vorbereitung die Unternehmerakademie am Wifi in Graz. Was ich dabei lernte, ging über die Buchhaltung weit hinaus. Steuerrecht, Arbeitsrecht, Unternehmensrecht, Kommunikation, Marketing & Werbung saugte ich regelrecht auf. Die anschließende Unternehmerprüfung, sie hatte damals den Stellenwert einer HAK-Matura im kaufmännischen Fach und galt als Ergänzungsprüfung für wirtschaftswissenschaftliche Studienrichtungen (analog zur Ergänzungsprüfung Latein für Germanistik, Jus und Medizin), legte ich im November 1997 ab. Doch erst durch die Aufbaumodule dieses kaufmännischen Lehrganges in Marketing, Öffentlichkeitsarbeit, Projektmanagement und Mitarbeiterführung fühlte ich mich für meine zukünftige Unternehmung bestens gerüstet.


Diese Prüfung war damals übrigens für bestimmte Gewerbe vorgeschrieben. Beispielsweise konnte man kein Taxiunternehmen eröffnen, ohne die Unternehmerprüfung vorzuweisen.
Was ich damit sagen will: Ohne zu wissen, was ein guter Kaufmann tut, sollte man nicht in das Abenteuer Selbständigkeit aufbrechen. Es könnte sonst schnell zur „Selbst und ständig“-Falle werden.

Unternehmerskills heute höchstens im UGP

Heute werden diese unternehmerisch-kaufmännischen Fähigkeiten höchstens im Rahmen des Unternehmergründungsprogramms (UGP) in Workshops vermittelt. Jedoch kann man sich dort aussuchen, welche Workshops man in Anspruch nehmen möchte.


So schwindeln sich viele Gründer um unbeliebte Themen wie Marketing, Produktentwicklung, Risikoanalyse herum. Weil es gibt in deren Augen kein Risiko. Weil es wird und darf nichts passieren. Schließlich denkt man ja positiv nach vorne und wird sich den Traum mit Risiken nicht kaputt machen wollen.

Ein wenig Risikoanalyse und Kalkulation schadet niemandem!

Alle jene, die nicht im Rahmen des UGP gründen, werden mit diesen Themen überhaupt nicht konfrontiert.

Machen Sie einen Businessplan

Frage ich in der Beratung nach dem Businessplan, weil in diesem auch das Marketingkonzept in groben Zügen enthalten ist, dann schütteln die meisten meiner Klienten den Kopf. Meist wird die Frage nach dem Businessplan auch mit der Antwort verneint:

Ich brauche ja nichts von der Bank. Deswegen hab ich auch keinen Businessplan.

Nicht gut! Der Businessplan wird zwar von Banken gefordert, wenn es um Fremdfinanzierungen geht. Als guter Kaufmann (Kauffrau) stelle ich einen solchen aber auch fürs eigene Unternehmen auf.Wie sonst kalkuliere ich meine Preise, den Wareneinsatz, die Fixkosten und variablen Kosten? Wie sonst weiß ich, wer mein Kunde ist, und was ich überhaupt mit meinem Geschäftsmodell erreichen kann? Und ob dieses auch realistisch ist, um davon zu leben.
Heute gibt es digital fast alles. Also erstellen Sie sich einen Businessplan. Eine gute Vorlage dazu finden Sie auf unternehmerheld.de

Auch Unternehmen, die schon länger am Markt sind, sollten von Zeit zu Zeit, mittelfristig ihren Businessplan überarbeiten. Schließlich verändern sich Rahmenbedingungen und Märkte. Ein guter Zeitpunkt für eine solche Überarbeitung ist auch die Unternehmensnachfolge und Übergabe des Betriebs an die nächste Generation.

Das Foto in diesem Beitrag hilft Ihnen dabei, festzustellen, ob Sie Ihr Geschäftsmodell und den Businessplan überarbeiten sollten.
Sind Sie nämlich schon mehrere Jahre am Markt und fühlen sich dabei aber „wie am Anfang in der Startphase“, dann ist’s höchste Zeit für den Businessplan und für die Hausaufgaben im kaufmännischen Fach.

Lebensweg des Unternehmens Grafik
„Lebensweg des Unternehmens“, Copyright Wohofsky Marketing

Dieser Artikel erschien zuerst als Beitrag in der Facebook Gruppe „Unternehmer 40 plus – Erfolgreich digital & fit im Online Marketing“.

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