Warum man wissenschaftliches Arbeiten nicht aus Büchern oder Skripten lernen kann

Raten Sie mal, was Kompetenzorientierung im Unterricht bedeutet? Richtig, Lernende sollen an und mit der Praxis lernen, Probleme zu lösen und Situationen zielführend zu beurteilen. Das schließt ein alleiniges Lernen aus Büchern oder Skripten aus.

Wer nur aus Büchern lernt, der erwirbt nur Fachkompetenz. Die bleibt dann meistens in der Theorie (im Kopf) stecken. Der Transfer in die eigene Praxis findet dadurch nicht statt.

Meine Studierenden regen sich bei schlechter Beurteilung manchmal auf, dass sie ja das Skript, den Studienbrief „eh“ gelesen haben. Bei Prüfungen frage ich aber immer nach dem Transfer in die eigene Praxis. Und der misslingt in vielen Fällen.

Wenn ich also das Thema nicht gleich in der Praxis erproben kann, dann bleibt nur theoretisches Wissen über. Ganz besonders prekär verhält sich dieser Mangel im Fach „Wissenschaftliches Arbeiten“.

Was brauchen wir an den Hochschulen? Lehrveranstaltungen, Praxisangebote, um das zuvor erworbene Theoriewissen gleich umzusetzen und zeitnah Feedback zu erhalten. Erst mit Dozierenden oder Tutoren lassen sich Fragen gezielt beantworten. Ich kenne niemanden, der sich Fragen aufschreibt, um einen Monat auf deren Beantwortung zu warten, nur weil monatlich eine Sprechstunde zu dem Thema angeboten wird. Dafür hat niemand Zeit, geschweige denn Geduld zu warten.

Wir brauchen also ausreichend Lehrveranstaltungen, um mit den Studierenden das praktische Handwerkszeug zum Erstellen einer wissenschaftlichen Arbeit, zur Planung und Durchführung eines Forschungsprojektes und zur Rezpetion von Quellen zu üben.

Damit wären wir wieder beim guten alten Proseminar aus vor-Bologna-Zeiten angekommen und – bei der vertrauten (manche sagen heute „veraltet“ dazu) Textarbeit. Wer Texte verfassen muss – jede akademische Abschlussarbeit ist eine Textarbeit –, kann das Verfassen nur durch das Schreiben selbst erlernen.

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