Studierende mit wenig akademischer Handlungskompetenz
Solange auf Ziel studiert wird, solange wird es keine echte Entwicklung der individuellen Handlungskompetenzen geben. Auf Ziel zu studieren, bedeutet, sich durch den Studienplan zu klicken, einem Roboter ähnlich eine Aufgabe nach der andern abzuarbeiten, und alles Lästige dazwischen an die KI zu delegieren. Motto: Schreibe mir eine Gliederung für eine wissenschaftliche Fallaufgabe, Projektarbeit, Masterthesis etc..
Glauben Sie wirklich, dass diese Art des Lernens innovative, kreative und fest auf fachlichem Fundament stehende Absolventen hervorbringt? Ich glaube das schon lange nicht mehr, denn die Realität lehrt mich eines Besseren.
Studierende können keine einzige Position ihres zuvor abgegebenen Textes unter Zuhilfenahme des Fachwortschatzes zitieren, geschweige denn erläutern. Das beweist, dass sie sich nie und nimmer in die Thematik des Moduls vertieft haben. Sie haben nur gelesen (geblättert), geklickt, gepromptet. Verstanden haben sie nichts.
Der Grund dahinter: Sie haben nie die Gelegenheit erhalten, Handlungskompetenz zu entwickeln. Sie kamen auch nie ins Handeln, weil akademisches Handeln aus Schreiben, Forschen, Lesen, Durchführen und Auswerten von Empirie besteht.
In Zeiten, in denen sogar Forschungsinterviews mit KI erstellt werden, und die Studierenden sich dabei keiner Schuld bewusst sind, besteht die Gefahr, dass sich das Hochschulwesen ad absurdum führt.
Das Problem liegt aber nicht bei den Studierenden, sondern bei der Art des Studiums. Dieses ist derart konzipiert, dass das Ergebnis eines Studiums (ECTS-Punkte, Abschlusszeugnis Master oder Bachelor) im Vordergrund steht. Solche Ziele stellen aber keine Kompetenzziele dar. Es handelt sich um „erwerbbare Güter“ – auf den Zusammenhang zwischen kommerzialisertem Bildungswesen und Abschlüssen als Ware gehe ich an dieser Stelle nicht ein.
Vielmehr möchte ich Sie dazu ermuntern, die Diskussionsrunde bei NANO Talk zum Kollaps des Wissens anzusehen. Denn die Diskussionsteilnehmer kommen allesamt zum Schluss, dass der Weg zum Erkenntnisgewinn nicht mehr gelehrt wird, die Studierenden gar nicht wissen, dass dieses Wegbeschreiten akademische Ausbildung bedeutet, da sie diesen Weg an KI und Bots delegieren. Damit können sie gar nicht akademische Handlungskompetenzen entwickeln. Sie delegieren nur an eine Maschine, was ihnen lästig, zu mühsam oder unverständlich erscheint. Quasi einem Automaten gleich, in den man ein paar Münzen einwirft, und dieser das Getränk auswirft. Kommt das falsche Getränk heraus, legt man Beschwerde (Widerspruch) ein.
Fazit: Die Rückbesinnung der Unis auf ihren akademischen Auftrag und die Durchsetzung der Präsenzlehre sowie mündlicher Prüfungen ist erforderlich. Und Finger weg vom Profitstreben im Bildungswesen. Im Grunde darf es nicht sein, dass die Betriebswirtschaft das Management der Hochschulen und Universitäten übernimmt.

Wohofsky, überarbeitet mit GPT
Wohofsky, überarbeitet mit GPT
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