Was Journalismus und Wissenschaft gemeinsam haben
In meinem Umfeld wird strikt zwischen wissenschaftlichem und journalistischem Schreiben getrennt. Dabei haben beide Schreibtechniken so einiges gemeinsam. Sie teilen sich nicht nur die Neugierde, hinter die Dinge blicken zu wollen. Auch die berühmten W-Fragen spielen für beide Genres eine große Rolle.
Die Website der Austrian Press Agency (APA) nennt die Standards des Journalismus:
- Überprüfung der Informationen vor der Veröffentlichung – genau das machen Wissenschaftler auch, wenn sie Fachtexte verfassen.
- Einhaltung der Privatsphäre, keine Details über Privatpersonen – in den Wissenschaften wird sachlich neutral formuliert. Die Einhaltung der Privatsphäre erfordert auch die Anonymisierung von Namen bei Interviews bzw. die Veröffentlichung der Namen der Interviewpartner nur mit deren ausdrücklicher und schriftlicher Zustimmung.
- Ganz klare Korrekturen, wenn Fehler veröffentlicht wurden – auch in den Wissenschaften werden solche Korrekturen vorgenommen. ftmals finden sich diese als „Erratum“ (lateinisch für „Irrtum“ oder „Fehler“ wissenschaftlichen Publikationen dem Anhang hinzugefügt.
- Deutliche Trennung zwischen Meinung und Bericht – wissenschaftliche Texte sind Berichte; Meinungen sind unbedingt zu vermeiden. Dieser Fehler wird als schwerer Mangel an akademischer Kompetenz angemerkt.
- Deutliche Trennung zwischen Werbung und Artikel – auch dies ist in den Wissenschaften nicht immer der Fall, wenn Artikel im Auftrag von Lobbygruppen veröffentlicht werden. Selbst Forschung passiert ungekennzeichnet im Auftrag von Konzernen. Die Wissenschaft hat auch hier zwischen Auftragsforschung und freier Forschung zu unterscheiden.
- Keine Diskriminierung von Personen oder Personengruppen – Auch diese Regel gilt für wissenschaftliche Texte, deren Einhaltung vom Lektorat oder dem Review zu kontrollieren ist.
Hinzu kommen die bekannten W-Fragen, denn bei der Recherche stehen folgende Aspekte im Vordergrund: Wer hat was mit wem, wann und wo, wie und warum getan? Dazu lassen sich auch Fragestellungen für die wissenschaftliche Recherche ableiten:
- Was ist Fakt? Macht das Vorhandene überhaupt Sinn? Was ist daran logisch?
- Wer hat es ursprünglich veröffentlicht? Wer bzw. wen betrifft der Sachverhalt?
- Wann wurde der Sachverhalt veröffentlicht oder die Studie durchgeführt? Passt das Veröffentlichungsdatum zum Durchführungsdatum bzw. Aufnahmedatum des Sachverhalts?
- Wo entstand die wissenschaftliche Erkenntnis? Wo wurde der Sachverhalt erfasst? Wo fand die Studie statt? Wo bzw. in welchem Medium wurde das Studienergebnis veröffentlicht?
- Wie ist die Studie entstanden (d. i. die Frage nach dem Forschungsdesign)? Wie wurde die Studie erarbeitet, bearbeitet (oder gar mit KI erstellt)?
- Warum kam es zur Studie, zur Forschungstätigkeit (d. i. die Frage nach den Forschungsgründen, die in der Einleitung eines jeden wissenschaftlichen Textes als „Relevanz des Themas“ zu behandeln bzw. zu beantworten ist)? Die Frage nach dem Warum enthält noch eine tiefer gehende: Wem spielt die Studie in die Karten? Wem nützt das Studienergebnis? Und warum verbreitet sich ein Studienergebnis bspw. so rasant in den sozialen Medien?
Das große gemeinsame Thema zwischen Journalismus und Wissenschaft ist der FAKTENCHECK.
Im Übrigen muss wissenschaftliches und journalistisches Schreiben erlernt werden. Es folgt einer bestimmten Textsorte mit spezifischer Sprachhandlungskompetenz wobei sich zum Journalismus noch weitere Textsorten und Genres wie die Glosse, der Kommentar, der Bericht, die Reportage etc. hinzugesellen. Wer wissenschaftlich oder journalistisch arbeiten will, muss sein Handwerk, genauso wie alle anderen, lernen.

Wohofsky, mit ChatGPT bearbeitet
Wohofsky, überarbeitet mit GPT
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